Filmen mit Vintage-Objektiv auf Sony PMW F3

Einen alten Computer filmen? Klar, macht Spaß. Aber wie schaffe ich es, dem alten Computer optisch gerecht zu werden? Denn mit einem kühlen, superscharfen HD-Look sieht die Antiquität doch aus, wie aus der Zeit gefallen. Was also tun? Ganz einfach: Auf die Sony PMW F3 eine alte Linse schrauben, genauer die Enna Lithagon.

Ok, ich werde langsam alt. Und da passiert es gelegentlich, dass ich Anfälle von Nostalgie bekomme. Genauer gesagt: IT-Nostalgie. Vor bald 30 Jahren begann nämlich meine Karriere als Autor mit einem kleinen 8-Bit-Computer, dem Atari XL. Den habe ich wieder gefunden und weitgehend wieder zum Laufen gebracht.

Klar, dass ich die alte Kiste auch filmisch in Szene setzen möchte. Für den Digisaurier habe ich deshalb ein kurzes Teaser-Video gedreht. Die Frage war nur: wie werde ich dem alten Rechner gerecht? Ich möchte hier keinen perfekten, superscharfen Look. Und – zugegeben – ich mag den XL samt Peripherie jetzt auch nicht durch das Haus schleppen und eine edle Kulisse bauen. Der soll da gefilmt werden, wo er zur Zeit steht: Auf meinem Schreibtisch.

Die alte Linse: Enna Lithagon

Meine Entscheidung fiel auf die Enna Lithagon mit 28mm. Umgerechnet auf die Sensorgröße meiner Sony PMW F3 entspricht das – über den Daumen – rund 45mm Brennweite. Das ist ok für meine Zwecke. Außerdem hat die Enna noch eine tolle Eigenschaft – die man sonst vielleicht nicht so toll findet: Die Vergütung ist ziemlich schlecht. Ob das schon immer so war oder dem Alter der Linse geschuldet ist? Egal, Hauptsache, es sieht alt aus.

Eine alte Enna Lithagon 28mm an der PMW F3.
Eine alte Enna Lithagon 28mm an der PMW F3.

Mit meinem MTF-Adapter hält die Linse prima an der Kamera. Und im Gegenlicht ergibt sich ein schönes, milchiges Bild und sogar ein paar Linsenflecken sind zu sehen. Einfach schön alt.

Die Atari Floppy 1050 im Gegenlicht, aufgenommen mit der Sony PMW F3 und einer Enna Lithagon.
Die Atari Floppy 1050 im Gegenlicht, aufgenommen mit der Sony PMW F3 und einer Enna Lithagon.

Das Problem im Gegenlicht war allerdings, dass die Front der Floppy viel zu dunkel war. Dem habe ich mit einem Styropor-Reflektor entgegen gewirkt. So ist auch etwas zu erkennen.

In den anderen Einstellungen habe ich mir ebenfalls mit dem Reflektor oder mit einem kleinen Kopflicht geholfen. Das habe ich verwendet, um die kleine Platine anzustrahlen, die hinten im Computer steckt. Anderenfalls wäre die Platine im Schatten abgesoffen.

Die kleine Platine hinten am Computer habe ich mit einem Kopflicht seitlich angestrahlt, anderenfalls wäre sie abgesoffen.
Die kleine Platine hinten am Computer habe ich mit einem Kopflicht seitlich angestrahlt, anderenfalls wäre sie abgesoffen.

Der Schnitt

Im Schnitt habe ich mich entschieden, den Boot-Vorgang ein wenig zu straffen. Das Laden der Textverarbeitung geht im Video also etwas schneller als in der Realität. Außerdem habe ich mir überlegt, wie ich mit Effekten den Zeitsprung in die Vergangenheit unterstreichen kann.

Auf alt getrimmt: Der Filter Überwachung passt hier ganz gut meiner Meinung nach.
Auf alt getrimmt: Der Filter Überwachung passt hier ganz gut meiner Meinung nach.

Mit dem Filter „Überwachung“ hatte ich das richtige Tool. Der entsättigt das Bild, zieht Streifen ein, als hätten wir ein lausiges Interlaced-Signal und erlaubt, noch Zeitmarkierungen einzutippen. Ganz nett. Dazu habe ich den Bildern noch ein leichtes Rauschen mit auf den Weg gegeben. Mit Hilfe von Keyframes habe ich die Effekte später – also beim Sprung in die Gegenwart – abgeschaltet. Einmal lasse ich sie dann noch während des Ladens aufflackern. Auch hier haben mir Keyframes geholfen.

Mit Hilfe von Keyframes lassen sich Effekte einfach steuern.
Mit Hilfe von Keyframes lassen sich Effekte einfach steuern.

Ein Problem hatte ich noch: Der Ladeton – charakteristisch für den Atari 800 XL – war bei der ersten Aufnahme zu leise. Also habe ich meinen alten Tascam-Rekorder neben den Monitor-Lautsprecher gelegt und den Ladevorgang wiederholt. Das Ergebnis habe ich unter das Video gelegt – und es klingt gleich viel besser.

Dann noch ein Musikstück drunterlegen, das nach 80er klingt – genau so eines habe ich in der Produktionsmusik von Soundtrack Pro gefunden. Schließlich noch einen kleinen Text gesprochen und fertig war da Video.

Und so sieht das Ergebnis aus – habe netto gut zwei Stunden dafür gebraucht. Viel Spaß bei der Zeitreise 🙂

 

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