Das Smartphone als Sendezentrum?

Klar, jeder filmt mal nen Aufsager mit seinem Smartphone. Ist bequem, geht schnell – klingt meistens unter aller Sau und sieht nicht toll aus. Ich meine, ok, ich habe ja auch verkleinert, von der F3 auf die FS5 – aber noch kleiner? Nur noch mit dem iPhone filmen? Neee. Muss nicht sein. Oder?

Muss es doch. Denn mein Freund Christian hat mich zur CeBit bestellt. Das macht er jedes Jahr, das ganze nennt sich Arbeit. Wir sind trotzdem Freunde.

Also, Arbeit auf der CeBit. Das sah bislang so aus: Ich bekomme entweder ein Kamera-Team und gebe den Redakteur oder ich ziehe mit meiner Kamera und Stativ los und bin ein VJ. So weit so gut. Und mit einer gro├čen Kamera f├╝hle ich mich auch immer wohl.

Doch diesmal gab es noch einen dritten Modus neben Redakteur und VJ: den iPhone-Modus. Denn für den Blog Digisaurier fütterten wir einen Live Blog. Mit Texten aber auch mit kurzen Filmen. Und die sollten wir mit den Smartphones, maximal mit einem Tablet oder einer Kompaktkamera produzieren.

Christian macht einen Selfie-Aufsager mit dem Smartphone.
Christian macht einen Selfie-Aufsager mit dem Smartphone.

Rumhampeln mit Winzger├Ąten

Na toll. Bei Messelicht mit den Winzger├Ąten und ihren kruden Automatiken herum hampeln. Nix f├╝r einen Freund der Bilder. Aber ok, Job ist Job und nach einer Weile fand ich das auch ganz witzig. Eigene Aufsager machen geht einfach mit dem iPhone besser als mit der gro├čen Kamera. Und eben mal ein paar Schnittbilder sind mit dem Telefon auch schnell gemacht. Halt nicht die super Qualit├Ąt – aber ausreichend und vor allem schnell aufgenommen.

Der Clou bei der ganzen Sache war: Ich konnte die Filme sofort auf dem iPhone schneiden und direkt an Youtube schicken. Ein um so vieles schnellerer Ablauf und genau das richtige für einen Liveblog.

Nach zwei Tagen mit dem iPhone hatte ich Gefallen gefunden an der Sache. Und ich hatte mich auch daran gew├Âhnt, wie ein Idiot angestarrt zu werden, wenn ich vor einem Messestand ein Selfie-Video gedreht habe. Man muss sich halt ein wenig ├╝berwinden.

Wirklich ungewohnt: Mit gestrecktem Arm in das Telefon sprechen. Die Leute gucken schon ganz komisch.
Wirklich ungewohnt: Mit gestrecktem Arm in das Telefon sprechen. Die Leute gucken schon ganz komisch. (Bild: Barbara Zimmermann)

Was hat das Filmen mit dem Smartphone gebracht?

Die Reduktion auf das Wesentliche hat vor allem eines gebracht: Geschwindigkeit. Bei einem Live Blog braucht es nicht h├Âchste Qualit├Ąt. So lange das Bild erkennbar ist und der Ton verst├Ąndlich, reicht es aus. Ein Video schon f├╝nf Minuten nach der Aufnahme online zu haben, ist mit dem Smartphone immer noch sportlich. Aber es ist machbar. Mit der klassischen Ausr├╝stung geht es nicht.

Also was gelernt. Prima. Doch damit war meine Smartphone-Filmer-Karriere noch nicht zu Ende. Im Gegenteil, sie fing erst an!

Jetzt aber mal im Ernst!

Als ich dachte, das Thema sei so weit durch, kam Christian mit einer neuen Aufgabe. Was auf der CeBit noch eher spielerisch im Rahmen unseres Digisaurier-Blogs passierte, wurde pl├Âtzlich Ernst: Die┬áKonferenz ÔÇ×DigitaleZukunft@MittelstandÔÇť des DIHK sollten wir mit einem Live Blog begleiten. Mit Text, Foto und Video. Um Texte und Fotos k├╝mmerte sich mein lieber Kollege Hannes R├╝gheimer. Er hatte zum Gl├╝ck auch ein Netzteil f├╝r sein Macbook dabei, das wir abwechselnd verwenden konnten. Ich hatte meines n├Ąmlich vergessen.

Die Selfie-Brothers von links nach rechts: Christian Spanik, Martin Goldmann, Hannes R├╝gheimer
Die Selfie-Brothers von links nach rechts: Christian Spanik, Martin Goldmann, Hannes R├╝gheimer (Foto: Hannes R├╝gheimer)

F├╝r den Videoteil hatte ich das Smartphone als einzige Kamera. Jetzt ging es nicht mehr um eigene Aufsager und ein paar Schnittbilder, sondern um Aufsager, Schnittbilder und O-T├Âne. Ich mit einem Smartphone O-T├Âne abholen? Puh.

So sah mein Sendezentrum f├╝r die Konferenz aus: iPhone, Macbook Air, Kopfh├Ârer und Akkupower.
So sah mein Sendezentrum f├╝r die Konferenz aus: iPhone, Macbook Air, Kopfh├Ârer und Akkupower.

Au├čerdem war das Macbook Air dabei, ein Kopfh├Ârer und ein dicker Akkublock, falls dem iPhone der Saft ausgehen sollte. Das Macbook hatte ich dabei, weil ich damit einfach schneller schneiden und senden konnte, als mit dem iPhone. Au├čerdem hatte ich zumindest grundlegende Korrekturm├Âglichkeiten, falls irgend etwas mit dem Video oder dem Ton nicht passen sollte.

Die Videos gingen vom iPhone auf den Mac, dort in Final Cut Pro X und von dort aus nach Youtube. Allerdings habe ich nicht die direkte Upload-Funktion nach Youtube genutzt. Die produziert zu gro├če Filme – wir brauchten aber Filme mit m├Âglichst geringem Bandbreiten-Verbrauch. Deshalb habe ich mir eine Compressor-Konfiguration mit nur 2MBit Datenrate in 720p zurecht gelegt, ├╝ber die ich die Filme ausspielte.

Niedrige Datenrate f├╝r die ├ťbertragung auf einem vollen WLAN.
Niedrige Datenrate f├╝r die ├ťbertragung auf einem vollen WLAN.

Christians Aufsager

Gleich f├╝r den Start hatten wir uns die gr├Â├čte Herausforderung vorgenommen: Christian moderiert eine Begr├╝├čung in das iPhone hinein, w├Ąhrend er zur B├╝hne geht. Gleichzeitig geht das Liveblog auf einer Leinwand live. Das Ziel: die Begr├╝├čung von Christian musste im Liveblog erscheinen, noch w├Ąhrend er den ersten Sprecher anmoderierte. Ich hatte f├╝nf Minuten Zeit. Sollte ich es nicht schaffen, w├Ąren alle sch├Ânen Liveblog-Ank├╝ndigungen, die Christian auf der B├╝hne machte f├╝r den Eimer.

Also habe ich das Smartphone an der B├╝hne abgeholt und den Film eingelesen. Noch w├Ąhrend des Einlesens (da ist FCPX wirklich genial) konnte ich das Video vorne und hinten zurecht schneiden. Dann noch ein wenig mehr Bass auf den Ton. Fertig. Dann rausrechnen und hochladen.

F├╝r das Hochladen und das Freischalten im Liveblog hatte ich alle notwendigen Browser-Fenster schon vorab ge├Âffnet. Das spart entscheidende Sekunden.

Dummerweise ist eine Sache schief gegangen: Mein Macbook hat sich zwischendurch in ein anderes WLAN eingelogged, die Anmeldung funktionierte dort aber nicht. Als ich die zwei Schocksekunden überwunden hatte, habe ich den Mac in einem zweiten WLAN angemeldet, das wir extra via LTE-Hotspot eingerichtet hatten. Der Upload lief und nach knapp vier Minuten war das Video live.

Uff.

Die Sache mit den O-T├Ânen

Die ├ľ-T├Âne liefen verbl├╝ffend gut. Sollte es doch wichtiger sein, die richtigen Fragen zu stellen, als mit toller Technik zu filmen? Naja, nicht ganz. Aber der Reihe nach:

Zun├Ąchst mal: Die Interview-Partner waren aufgeschlossen, gut gelaunt und vor allem nach maximal zwei Minuten fertig. Kein Abpudern, kein Ton pegeln, keine Anweisungen vom Kameramann. Einfach Frage – Antwort – Danke.

Allerdings gab es bei den O-T├Ânen ein Problem: Der Ton war┬ágrenzwertig. Zwar waren die Interview-Partner zu verstehen, aber im Hintergrund quietschte eine automatische Schiebet├╝r erb├Ąrmlich und irgendwer raunte ohnehin st├Ąndig im Hintergrund. Auch die B├╝hnenaufnahmen waren zwar verstehbar, aber hier gab es doch noch einiges Potenzial.

Und so kamen wir zu unserem einzigen Kompromiss, den wir beim n├Ąchsten Mal eingehen wollen: An das Smartphone kommt ein Richtmikrofon, um etwas besseren Ton einzufangen. Denn der Rest war ok, wirklich. Bin gespannt, wo das hinf├╝hrt.

Und nun nehme ich erst einmal meine FS5 in die Hand und erkl├Ąre ihr, dass dennoch noch nicht alles vorbei ist.

├ähnliche Beitr├Ąge

Teilen macht Spa├č...Share on Facebook12Share on Google+0Tweet about this on TwitterPin on Pinterest0

Schreibe einen Kommentar