Test: Kyno – Dateiverwaltung für Video, Bild und Ton

Ich suche das Video einer flimmernden Neonröhre, aufgenommen mit dem iPhone. Wo habe ich das hingepackt? Auf der Schnittplatte auf meiner Datenhalde oder auf dem Pegasus Raid? Ich muss suchen – und habe mir dazu Hilfe geholt.

Update Kyno 1.2 am 16. Februar 2017

Mit dem zweiten größeren Update ist Kyno zuverlässiger geworden. Zuvor gab es immer wieder Kleinigkeiten, wie stehen bleibende Rahmenlinien um Clips, nachdem man sie markiert hat und gelegentliche Rückfragen, ob etwas wirklich kopiert werden soll, obwohl ich keinen Auftrag dazu gegeben hatte.

Insgesamt wirkt die Version 1.2 ausgereift auf mich. Das ist schon mal gut. Allerdings fehlt immer noch die für mich und meine Arbeit so wichtige Unterstützung für das iPhone. Außerdem hakt der Export von Daten aus meiner EOS 5D III nach FCPX – da kommen nur leere Clips an.

Hier sind alle Neuerungen in den Release Notes. Ich habe nur die für mich interessantesten herausgepickt.

Neue Formate

Kyno unterstützt neue Formate:

  • ProRes MXF
  • DNxHR
  • Olympus
  • Fujifilm RAW image files
  • Apple Core Audio
  • Hap video
  • AVI ultrasound (für Ultraschallbilder aus medizinischen Geräten)
  • FRAPS (Aufzeichnungsformat für Spiele)

Verbesserungen beim Transcodieren

Bei Batch-Exporten lassen sich Handles an die Dateien anfügen, also ein paar Sekunden vor und nach dem eigentlichen Clip. Das erleichtert den Schnitt enorm.

Die Auswahl von Subclips für den Export wurde verbessert.

Verbesserungen auf dem Weg zu FCPX

Die Auswahl und Aufbereitung von Clips vor dem Export nach Final Cut Pro X ist deutlich flexibler geworden.

  • Schlagwörter in FCPX lassen sich aus Tags, Subclips oder Ordnern erzeugen
  • Favoriten lassen sich aus Subclips, In-Out-Markierungen oder Bewertungen erzeugen

Klingt alles ein wenig trivial, bedeutet aber einen enormen Fortschritt beim Vorsortieren und Exportieren von Clips für FCPX. Speziell das mit den Favoriten ist sehr praktisch.

Kyno 1.2 Export nach FCPX
Neue Export-Funktionen machen den Transfer nach FCPX deutlich flexibler.

Update Kyno 1.1 am 2. Dezember 2016

Zum 2. Dezember 2016 kam das erste größere Update für Kyno heraus. In der Version 1.1 hat sich vor allem das Tagging deutlich verbessert.

Wie unten in meinem ursprünglichen Beitrag angemerkt, war das Vergeben von Schlagwörtern ausgesprochen mühsam. In der aktuellen Version hat sich das deutlich verbessert.

Verbesserte Tag-Eingabe

Bei der Eingabe von Tags bietet Kyno jetzt Auto-Ergänzung an. Mit dem Tippen der ersten Buchstaben also sucht das Programm schon die passenden Tags heraus.

Bei der Eingabe von Tags bietet Kyno jetzt eine praktische Autoergänzung.
Bei der Eingabe von Tags bietet Kyno jetzt eine praktische Autoergänzung.

Das Eingeben neuer Keywords ist an dieser Stelle ebenso möglich. Das ist eine deutliche Verbesserung.

Mir fehlt aber immer noch die Analogie zu Final Cut Pro X, wo ich die Keywords mit Kommata trennen kann. Mal sehen, ob das noch kommt.

Verbesserter Export nach FCPX

Beim Export nach Final Cut Pro X kann ich jetzt schon in Kyno wählen, in welcher Mediathek die Clips landen sollen. Im selben Menü treffe ich die Entscheidung, ob die Clips kopiert werden oder am Ort verbleiben. Ging vorher auch schon alles, ist jetzt aber viel angenehmer in der Handhabung.

Wohin damit? In Kyno zeigt mir der Export-Dialog schon alle Optionen und Zielorte.
Wohin damit? In Kyno zeigt mir der Export-Dialog schon alle Optionen und Zielorte.

Ein TIF-Bug beseitigt

Ein klein wenig stolz bin ich auf diese Zeile in den Update-Meldungen:

Fixed: Kyno unpolitely crashed when browsing certain corrupt TIFF files

Da ging es tatsächlich um einen Bug, der auf meinem System beim Durchsuchen uralter Bilddateien aufgetreten ist. Lesspain hat sehr schnell auf meine Support-Meldung reagiert und den Bug doch ganz schön schnell behoben.

Die weiteren Neuerungen betreffen den Datenaustausch mit Final Cut Pro X, das Einlesen von Daten und das Umcodieren von Daten.

Für mich bleibt aber das Tagging die wichtigste Neuerung. Falls mir sonst noch etwas auffällt, werde ich hier darüber schreiben.

Kyno: der erste Test

Bei der Suche nach dem Clip hilft mir Kyno, das ich mir Mitte Oktober gekauft habe. Das Programm kann nämlich etwas ganz einfaches: Komplette Laufwerke nach Videos untersuchen, diese in Thumbnails anzeigen und nach verschiedenen Kriterien sortieren. Und es kann noch mehr. Dazu kommen wir gleich.

Alle Videos aus allen Verzeichnissen. Hier spielt Kyno seine Stärken aus.
Alle Videos aus allen Verzeichnissen. Hier spielt Kyno seine Stärken aus.

Also, Thumbnails anzeigen lassen und sortieren: ich habe mit der Suche auf meiner Datenhalde angefangen. Dort landet alles, was ich irgendwann mal irgendwie aufnehme. Mit Kyno habe die oberste Ebene des Eingangsordners gewählt und dann den Befehl zum „Drilldown“ gegeben. Damit durchsucht das Programm alle Unterordner und zeigt die Mediendaten als Thumbnails an.

Die Ergebnisse habe ich anhand der Framerate eingegrenzt. Das iPhone zeichnet mit 30fps auf (daher auch das Flimmern bei Neonlicht). Meine andere Footage aus der FS5 oder der Canon 5D ist in 25 fps aufgenommen. Mit einem Filter ließ ich mir also nur die Smartphone-Filme anzeigen.

Die so gefilterten Filme habe ich nach Zeit sortiert und mich durch die Ergebnisse gescrollt, bis ich mein Video gefunden hatte. Zeitaufwand: Zwei Minuten. Ohne Kyno wäre das ein uferloses Unterfangen geworden.

Da ist es! Mit Kyno habe ich das Video nach nur ein paar Minuten in den Tiefen meines Schnittrechners aufgestöbert.
Da ist es! Mit Kyno habe ich das Video nach nur ein paar Minuten in den Tiefen meines Schnittrechners aufgestöbert.

Schneiden, Schlagwörter, Recherche

Die nächste Aufgabe: für eine Schulung brauchte ich einen Ausschnitt des Clips in einer Powerpoint-Präsentation. Also muss ich das Material zurechtschneiden und umrechnen. Auch hier hilft Kyno. Im Viewer habe ich In- und Out-Punkte festgelegt und den Clip dann mit niedriger Auflösung raus gerechnet. Fertig. Der Viewer zeigt übrigens alle Meta-Daten zum Clip an und bietet eine Clip-Übersicht an. Das erleichtert die Navigation in längeren Clips enorm.

Überblick: Der Viewer zeigt den Inhalt eines Clips an. Per Klick springen Sie zu einer Position.
Überblick: Der Viewer zeigt den Inhalt eines Clips an. Per Klick springen Sie zu einer Position.

Was kann das Programm noch? Zum Beispiel die Footage mit Schlagwörtern versehen, betitelen, beschreiben und bewerten.

Auch als Einlese-Tool leistet Kyno prima Dienste – an Formatgrenzen bin ich hier noch nicht gestoßen. Karte rein, die Filme erscheinen als Thumbnails und warten darauf, angesehen kopiert und verschlagwortet zu werden. Das Programm wird bei mir Catalyst Browse von Sony ersetzen.

Schnittstelle zu FCPX

Clips sendet Kyno direkt an Final Cut Pro X. Die Schlagwörter kommen mit. Für mich eventuell sogar ein Anlass, meinen Workflow zu ändern. Bislang kopiere ich die komplette Footage auf eine Platte und lese die Clips von dort komplett in FCPX ein. Mit Kyno ändere ich das vielleicht so, dass ich nur noch die Clips einlese, die ich brauche. Der Rest wandert schön verschlagwortet ins Archiv. Mal sehen, ob das für mich so praktikabel ist.

Beim Durchsuchen von Festplatten spielt Kyno seine Stärke aus. Mit „Drilldown“ durchforstet das Programm alle Unterverzeichnisse nach Filmclips, Fotos und Audioclips. Das finde ich praktisch, um mich durch meine Archivfestplatten zu wühlen. Da habe ich rund 20 im Regal.

Die Schnitt- und Datenplatten. Rechts am Rand die Archivplatten in orangenen Schutzhüllen.
Die Schnitt- und Datenplatten. Rechts am Rand die Archivplatten in orangenen Schutzhüllen.

Ein Blick auf die Feature-Liste zeigt noch mehr. Ich darf Clips bewerten, es gibt eine Funktion zum Umbenennen von mehreren Dateien auf einen Rutsch sowie die Möglichkeit, ausgewählte Clips an Excel zu senden. Daraus können zum Beispiel Shotlists entstehen und der Location Scout kann seine Eindrücke übersichtlich samt Anmerkungen weiter geben.

Sehr praktisch: Aus Kyno heraus lassen sich Markierungen samt Anmerkungen nach Excel ausspielen. Ideal zum Beispiel für Korrekturen.
Sehr praktisch: Aus Kyno heraus lassen sich Markierungen samt Anmerkungen nach Excel ausspielen. Ideal zum Beispiel für Korrekturen.

Die Markierungen lassen sich übrigens auch nach FCPX mit übertragen. Wahlweise als Keywords, als Markierungen oder beides. Und die markierten Stellen lassen sich auch als Screenshots speichern. Finde ich klasse.

Also alles super mit Kyno?

Klingt alles ganz gut, oder? Aber ich hätte da noch ein paar Wünsche für kommende Versionen:

  • Kyno speichert die Thumbnails von externen Festplatten in einem Cache. Schön wäre es, wenn die so gespeicherten Thumbnails auch offline durchsuchbar wären, also wenn die betreffende Festplatte nicht verbunden ist. Szenario: Ich brauche ein File aus meinem Archiv, durchsuche die Thumbnails offline und bekomme die Info, welche externe Archivplatte ich anstöpseln muss. Allerdings ist fraglich, ob so ein Feature kommt, denn Kyno sieht sich nicht als Archiv-Management-System. Schade.
  • Das Einlesen vor Ort habe ich ja schon gelobt. Aber Kyno erkennt das iPhone nicht als Quelle für Filme und Bilder, wenn ich es anschließe. Klingt für andere vielleicht unwichtig: aber ich brauche das iPhone oft für Liveblog-Geschichten. Hier kommt es auf Geschwindigkeit an und Kyno könnte den Workflow beschleunigen. Der iPhone-Support ist mein dringendster Wunsch an Kyno.
  • Bei den Schlagwörtern darf sich gerne auch noch etwas tun. Ich habe noch keinen Weg gefunden, die Kyno-Keywords an das Apple-Betriebssystem zu übertragen. Denn OS X erlaubt ja, zu jeder Datei Keywords festzulegen. Immerhin reicht es die Keywords ja an FCPX weiter.
  • Ebenso schick wäre es, wenn ich bei Fotos die Keywords aus Jpeg und DNG-Dateien lesen und schreiben könnte. Klar, sind Fotos nicht der Schwerpunkt von Kyno. Aber ich darf mir ja wünschen, was ich will.
Da fehlt noch was: Es wäre schick, wenn Kyno bei Fotos auch die Keywords einlesen würde, die mit den Dateien gespeichert sind.
Da fehlt noch was: Es wäre schick, wenn Kyno bei Fotos auch die Keywords einlesen würde, die mit den Dateien gespeichert sind.
  • Oh, und noch eines zu den Schlagwörtern: Die Eingabe finde ich nicht sehr komfortabel. Aus FCPX und Lightroom bin ich gewohnt, die Schlagwörter einfach einzutippen. In Kyno muss ich die Keywords aus einer Liste wählen und kann neue Keywords nur über ein Menü anlegen. (Das ist inzwischen deutlich besser geworden. Siehe oben im Artikel.)
Mir zu umständlich: Keywords lassen sich nicht einfach eintippen, sondern müssen über ein Menü eingetragen werden.
Mir zu umständlich: Keywords lassen sich nicht einfach eintippen, sondern müssen über ein Menü eingetragen werden.

Fazit: Prima, aber da geht noch was

Als Recherche-Programm hat Kyno wirklich Wucht. Das Programm ist schnell, schlank und nützlich. Auch der Viewer, die Clip-Auswahl und die Konvertierungsfunktionen finde ich klasse.

Bei der Verschlagwortung und die Archivierung fehlt aus meiner Sicht nicht viel, um Kyno wirklich zu einem tollen Tool zu machen.

Ich bereue die 160 Euro nicht, die ich für Kyno angelegt. Auch wenn mir der Preis ein wenig zu happig erscheint. Aber ich sehe das auch als Investition in die Zukunft der Software und bin gespannt, was da noch kommt. Auf jeden Fall ist es ein guter Ansatz.

Oh, und was mich auch zum Kauf bewogen hat, war der irre schnelle Support.

Info: lesspain (da gibt es eine 14-Tage-Testversion)

* (Damit wir uns nicht missverstehen: Bei Kundenprojekten habe ich einen klaren Workflow, damit ich alles a) redundant und b) leicht auffindbar habe. Nur bei so Gelegenheitsfilmen oder bei Schnittbildern, die man mal so mitnimmt ist das was anderes. Und natürlich dann, wenn man in alten Archiven suchen muss.)

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