Werben mit Equipment – sind wir noch ganz dicht?

Neulich legte mir mein Kollege den Prospekt einer Videoproduktion auf den Tisch. Ein schöner Flyer, zwölf Seiten. Plus ein extra Prospekt. Darauf eine Kamera, genauer eine FS7. Ich fragte mich „Wollen die ihre Kamera verkaufen – oder Filme?“

Was zum Donner?

Wie kommen wir darauf, dass sich unsere Kunden fĂŒr unser Equipment interessieren? Es geht doch um Filme, es geht um schöne Bilder und Geschichten. Ein Autor wirbt doch auch nicht mit der tollen Textverarbeitung, auf der er schreibt. Der BĂ€cker zeigt nicht seinen Teigkneter und die Malerin nicht ihre Pinsel. Sie alle werben mit ihren Produkten – Texten, Semmeln, Bildern.

Wobei – ok, also auf ihrer Homepage wird die Autorin vielleicht eine Tastatur zeigen – als Symbolbild. Gleichsam als Abzeichen der schreibenden Zunft. Beim BĂ€cker hĂ€ngt die Brezel als Zunftzeichen vor der TĂŒr. Doch das sind Symbole fĂŒr den Beruf. Dicke Kameras auf der Frontseite eines Prospektes gehen weit darĂŒber hinaus. Sie zeigen nur: „Hey, wir haben geiles Equipment, wir mĂŒssen Profis sein!“.

Ich blĂ€ttere weiter im Prospekt. Menschen mit Kameras, Kameras ohne Menschen. Leuchten, Slider, pi, pa, po. Zwischendrin Text, der ĂŒber das Bokeh erzĂ€hlt. Mal ehrlich – welcher Kunde soll das verstehen?

Geiles Equipment = professionell

Warum stellen wir das Equipment so in den Vordergrund? Um das zu erklĂ€ren, hilft vielleicht ein Blick in die Seele der Filmemacher. Die Branche hat einen gigantischen Umbruch hinter sich: In den 2000er Jahren ist Filmemachen demokratisiert geworden. Seither können alle einen Film drehen. FĂŒr wenig Geld gibt es eine Kamera, die auch jeder bedienen kann – sei es ein Smartphone oder eine Fotokamera.

Das ist natĂŒrlich fĂŒr alle Alteingesessenen ein Problem: wie sollen sich Unternehmen noch differenzieren, die vor dem digitalen Umbruch Filme gedreht haben? Klar – ĂŒber die „ProfessionalitĂ€t“. Und was zeichnet den Profi aus? Klar, dass er eine große Kamera hat. Nur damit kann man professionelle Filme machen. Wie falsch doch diese Annahme ist.

Wir sind so angefixt vom Marketing der Kamera- und Equipmenthersteller. Die treiben die Branche mit einer ungesehenen Innovationsflut vor sich her. Egal, ob 4K ĂŒberhaupt notwendig ist, es ist ohnehin schon wieder obsolet, weil 8K schon wartet. Es geht nicht ohne Gimbal und schon gar nicht ohne programmierbaren Slider. Und weil wir all das so toll finden und haben wollen, denken wir, dass wir das auch zeigen mĂŒssen.

Aber mal ehrlich: Was ist dem Kunden wichtiger? Unser Equipment oder sein Film?

Beides.

Der Kunde will was sehen fĂŒr sein Geld

Beides ist wichtig: Equipment und Inhalt.

Sehen wir es mal vom Kunden aus. Nehmen wir an, ein Kunde legt fĂŒr sein Unternehmensvideo 8.000 Euro an. Da will er natĂŒrlich etwas sehen fĂŒr das Geld. Ich kann da nicht mit einem Smartphone ankommen (außer es war so abgemacht).

Sprich: eine Kamera und das Equipment gehören zur Verkaufe dazu. Wir zeigen damit, dass wir unsere Preise rechtfertigen können. Aber es kann immer nur ein Teil dessen sein, was wir verkaufen.

Was also tun?

Also: Mit Equipment werben oder nicht?

FĂŒr das Werben mit dem Equipment spricht

  • Die Kamera ist ein Symbolbild fĂŒr unsere Arbeit.
  • Das Equipment zeigt dem Kunden, dass sein Geld gut angelegt ist.

Gegen das Werben mit dem Equipment steht

  • Ich verkaufe keine Kamera, sondern Filme.
  • Wenn ich mit dem Kunden spreche, geht es um seine Inhalte, nicht um meine Ausstattung.

Mein Fazit: Equipment zeigen ist schon ok. Ich wĂŒrde es aber nicht in den Vordergrund meiner Verkaufe stellen. In dem Prospekt war zu viel Technik.

Der nĂ€chste Umbruch lĂ€uft schon – wird das Equipment ĂŒberleben?

Und nun stehen wir schon vor dem nĂ€chsten Umbruch. Wir haben uns mit dicken Kameras eingedeckt, um „professionell“ zu wirken – und nun kommen die Smartphones. Damit kann man prima O-Töne holen, Footage sammeln und Filme bauen. Haben wir alles schon auf Messen probiert. Klar, das Material hat nicht die technische QualitĂ€t, die wir von einer großen Kamera erwarten. Aber: das ist in vielen FĂ€llen egal. Wenn wir live bloggen oder live senden von einer Messe oder Veranstaltung, dann mĂŒssen wir schnell sein und guten Inhalt liefern. Das geht mit dem Smartphone prima.

Nur: Womit werben wir dann in den Prospekten und auf unseren Seiten?

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