Welchen neuen Camcorder soll ich mir kaufen?

Mit unglaublicher Geschwindigkeit treiben uns die Kamera-Hersteller vor sich her. Wer jetzt noch eine Kamera aus 2010 hat, ist schon wieder hinten dran.

Klar, so etwas nennt man Marketing. Bedürfnisse wecken. Ich frage mich zum Beispiel immer mal wieder, ob ich mit meiner 3×1/3-Zoll-Kamera noch zufrieden bin.

Das Marketing treibt uns vor sich her

Meine Antwort: Klar bin ich das. Zusammen mit dem Samurai ist die NX5 ideal für mich. Die Kamera ist so mobil wie ich das will, Optik und Chip liefern schöne Bilder und der Samurai zeichnet in ProRes 422 in 10 Bit auf. (Erklärung 10-Bit-Quantisierung).

Für dokumentarisches Arbeiten finde ich die NX5E und den Samurai ideal.

Größerer Chip

Meine erste ernsthafte Kamera, eine Sony NX5e mit dem Atomos Samurai als 422-Aufzeichnungsgerät. Eine gute Kombi.
Meine erste ernsthafte Kamera, eine Sony NX5e mit dem Atomos Samurai als 422-Aufzeichnungsgerät. Eine gute Kombi.

Dann aber beginnt das Marketing sein subversives Werk.

Ein größerer Chip wäre schon klasse, manchmal. Vollformat muss nicht sein. Aber schon von 1/2 Zoll erwarte ich mir ein wenig mehr gestalterische Freiheit, sprich etwas kleinere Schärfebereiche. (Ok, wenn ich minimale Schärfentiefe will, nehme ich die DSLR und die 50mm-Festbrennweite. Aber DSLR ist noch eine andere Geschichte.)

Und so gärt es vor sich hin. Vielleicht doch eine neue Kamera holen und die NX5 verkaufen? Aber wenn schon ein neues Modell, dann sollte da auch noch mehr als nur ein größerer Sensor drin sein.

3D ist out, 422 und 4k sind in

3D ist out. Gut so. 3D fehlt mir weder im Kino noch beim drehen.

Die aktuellen Trends heißen 4:2:2 für alle und 4k. Die hohe 4k-Auflösung interessiert mich auch noch nicht so besonders. Alleine der Workflow und die gigantischen Dateien lassen mich zurückscheuen. Denn schon ProRes 422 schluckt Gigabytes an Festplatten-Platz. Auf 4k kann ich also auch noch verzichten.

Was verlange ich von einer neuen Kamera?

Aber wenn ich eine neue Kamera kaufe, sollte die auf jeden Fall in 4:2:2 mit 10 Bit aufzeichnen. Ein größerer Sensor wäre klasse, Vollformat muss nicht sein. Auf jeden Fall aber braucht die Kamera einen eingebauten, mehrstufigen ND-Filter.

Mein erster Blick fällt auf die NEX FS700 von Sony.

  • 35mm-Sensor. Check.
  • ND-Filter. Check.
  • 4:2:2 am HD-SDI-Ausgang. Check.
  • 8 Bit am HD-SDI-Ausgang. Wie bitte?

Wieso nur 8 Bit Auflösung für die Helligkeitsinformationen? Das ist eine Kamera für fast 8.500 Euro. Also fällt die schon mal weg. Schade

Oder Sonys im Sommer 2012 groß angekündigter, preisgünstiger Schulter-Camcorder NEX EA50. Liest sich auf den ersten Blick ganz gut:

  • APS-C Sensor. Etwa so groß wie 35mm, also: Check
  • ND-Filter. Hallo?
  • HD-SDI-Ausgang. Fehlanzeige

Der Rest erledigt sich dann von selbst. Schade. Gut, die Kamera wird wohl auch sehr preisgünstig zu haben sein. Aber wie zum Donner kommt Sony darauf, den ND-Filter wegzulassen, wenn nicht aus Marketing-Gründen?

Also doch über 10.000 Euro?

Letztlich bleibt dann doch nur der Blick in die Klasse über 10.000 Euro. Darunter fehlt immer ein entscheidendes Detail.

Das ist Absicht. Denn den perfekten Camcorder für unter 10.000 Euro zu liefern, würde wohl die teureren Modelle kannibalisieren.

Aber wie lange werden diese künstlichen Barrieren noch so bleiben? Ein Preisbrecher wie die Blackmagic Cinema Camera schickt sich an, sie einzureißen. Vollformat-Sensor, RAW-Aufzeichnung mit 12 Bit, ProRes 422 mit 10 Bit auf eine SSD. Klingt klasse.

Ok, man muss noch einmal ordentlich Kohle drauflegen für Rig, Sucher oder Field Monitor, Kompendium und Filter. Aber ich glaube, da lässt sich für unter 8000 Euro schon etwas ordentliches zusammen bauen.

Marketing abwehren

Mein Fazit: Alles Marketing muss an mir abperlen. Für meine Arbeit habe ich ein gutes Gerät und dabei möchte ich erst einmal bleiben.

…oder doch mal schauen, was die PMW-200 kann? Gucken darf ich ja.

Update

Ich habe mich dann für eine Sony PMW F3 mit Festbrennweiten entschieden. Die hat einen großen S35-Sensor, ist sehr lichtstark und liefert ein tolles Bild. Dafür musste ich allerdings ziemlich tief in die Tasche greifen.

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