Filmen bei Laufveranstaltungen

Eins vorweg: Der Wolfsman Run im September 2011 war super. Selten hatte ich so fantastisches Action- und Drama-geladenes Bildmaterial auf so engem Raum.

Das Video, das daraus entstanden ist, gefällt mir sehr.

Dennoch gibt es einige Punkte, die ich besonders unter den schweren Bedingungen rund um den Lauf lernen musste und die mich in meiner Erfahrung weiter gebracht haben – so weit, dass ich mir wohl eine neue Kamera zulegen werde.

Aber der Reihe nach.

Personalfragen

Für Laufveranstaltungen braucht man eigentlich zwei bis drei Kameraleute. Je weitläufiger das Gelände ist, desto mehr müssen an der Kamera stehen. Immerhin: die letzten drei Veranstaltungen habe ich alleine geschafft. Aber es war ein hartes Stück Arbeit und ich musste einige Kompromisse im Bildmaterial eingehen. Ich kann nicht überall gleichzeitig alles interessante aufnehmen.

Wichtig ist der Start: Bislang habe ich mir so geholfen, dass ich mir bei den Veranstaltern einen Assistenten oder eine Assitentin geborgt habe. Er oder sie haben am Start die von mir aufgestellte Kamera bedient. Der Auftrag: Einschalten, warten, abschalten. In einem Fall allerdings hat die Dame mitgeschwenkt, wohl, um mir einen Gefallen zu tun. Aber ich wollte den Start ohne Schwenk, aber gut, das war kein Problem. Wenn ich das nächste Mal jemanden da hin stelle, muss ich ihn genauer briefen.

Spiegelreflex und kleiner Camcorder sind für Sport nicht geeignet

Was mir die Sportveranstaltungen der letzten Wochen klar gemacht haben: Die Spiegelreflex-Kamera ist für schnelle, saubere Shots genauso ungeeignet wie die Oberklasse-Consumer-Kamera.

Die Canon 7D kann ich unterwegs nur sinnvoll mit einem Shoulder-Rig verwenden. Mein selbst gebautes Rig hat noch zu lockere Schraubverbindungen. Das kann ich zum nächsten Einsatz aber leicht in Ordnung bringen.

Kniffliger wird es mit dem externen Monitor, den ich auf dem Rig montiert habe. Die Sonne spiegelt so sehr darin, das ich das Bild nicht immer erkannt habe. Schnell scharf stellen ist mit dem Monitor und der DSLR auch kein Vergnügen. Immerhin hat mich eine kleine Blende mit ausreichend Schärfe-Reserve versorgt, so dass nur eine Einstellung leicht unscharf war.

Schwierig war auch das Schärfe ziehen mit meiner selbst gebauten Follow-Focus-Konstruktion. Sie ist mir beim Laufen über das schwere Gelände immer wieder abgerutscht. Meine Konstruktion ist etwas für ruhige Situationen und nichts für Sportaufnahmen, bei denen ich mich schnell über ruppiges Gelände bewegen muss. Beim Down Syndrome Marathon bin ich gut klar gekommen mit dem Rig und dem Selbstbau-Follow-Focus, beim ruppingen Wolfman Run hingegen nicht.

Weiteres Problem des Monitors vorne am Rig ist, dass ich ihn erst umständlich verstellen muss, wenn ich das Rig auf den Boden lege, um ein paar Bild auf Bodenniveau zu schießen.

Fazit: DSLR ist nichts, wenn man es eilig hat oder sich schnell auf ändernde Situationen einstellen muss. Mein Rig ist zu schwer und unhandlich, um damit über Stock und Stein zu kraxeln – bei Laufveranstaltungen im Gelände zählt auch meine Geschwindigkeit.

Field Recorder auf dem Blitzschuh

Field Recorder Tascam DR100 auf Blitzschuh einer EOS 7D

Mein zweiter Versuch bei dieser Veranstaltung war, den Field Recorder auf dem Blitzschuh der 7D zu montieren. Das Problem: Der Recorder wäre dem Follow-Focus im Weg, wenn er direkt über sein Stativgewinde auf das Stativgewinde auf den Blitzschuh montiert würde. Also habe ich mir ein paar Löcher in eine Alu-Leiste gebohrt und das Tascam ein wenig nach hinten versetzt montiert.

Auf einer hektischen Laufveranstaltung taugt die Zweiteilung zwischen Video- und Tonaufnahme leider nichts. Immer erst den Recorder einzuschalten und dann die Kamera kostet einfach zu viel Zeit. Außerdem bekomme ich zu viele Dateien, wenn ich für jede Einstellung den Field-Recorder ein- und ausschalte. Eine sinnvolle Zuordnung der resultierenden Film- und Ton-Dateien ist kaum hinzubekommen.

Nichts gegen Field Recorder und DSLR – für ruhige, kontrollierte, inszenierte Situationen mag das funktionieren, nicht aber für reaktives Filmen und das Warten auf den nächsten Shot.

Die SD707

Noch ein paar Worte zur SD707, meiner kleinen HD-Kamera. Ich mag die nach wie vor. Aber auch sie ist für den hektischen Einsatz auf einer Sportveranstaltung nicht geeignet – außer man verlässt sich auf die Automatik.

Nur mit der Automatik nimmt man gleich drei Probleme in Kauf:

Das erste ist, dass der Weißabgleich nicht stimmt. Die SD707 hat zum Beispiel ein Problem mit Schatten – naturgemäß ist die Farbtemperatur im Schatten höher, doch die 707er hat das einige Male nicht gemerkt und mir ein zu blaues Bild geliefert.

Das zweite große Problem ist der Autofocus. Bei mehreren Einstellungen hat er mir die Schärfe weg gezogen vom Objekt auf den Hintergrund.

Problem drei: Die Blendenautomatik. Ich möchte mich nicht durch zwei Menüpunkte wühlen, bis ich die Blende verstellen kann. Das kostet zu viel Zeit.

Und wenn ich dennoch den manuellen Modus nutze, Weißabgleich und Focus von Hand einstelle und schnell auf eine neue Situation reagieren möchte, schalte ich wieder auf die Automatik zurück. Von dort wieder auf den manuellen Modus geschaltet sind alle Einstellungen von vorher vergessen. Ärgerlich.

Fazit: Wenn ich tatsächlich effektiv und einigermaßen bequem auf Sportveranstaltungen filmen möchte, muss eine robuste, semiprofessionelle HD-Kamera her. Die braucht einen manuellen Focus, den ich am Objektiv ziehen kann, ein Zoom auf einer gut erreichbaren Wippe. Ich möchte mindestens zwei Weißabgleiche speichern und abrufen können (hier Sonne und Schatten). Ich möchte ein brauchbares Mikro, das mit der Aufnahme startet (mein Rode Videomic auf der SD707 ist zwar toll, aber ich vergesse immer wieder, es einzuschalten).

Ich möchte die Blende schnell verstellen können. Ich möchte einen manuellen Focus, dem ich dennoch mit einem schnellen Knopfdruck eine Automatik zuschalten kann.

Damit ist an sich klar: Es muss noch eine Kamera her, falls ich weiterhin auf Laufveranstaltungen unterwegs sein möchte. Die 7D lasse ich dann daheim und nehme sie zu inszenierten Aufnahmen mit, die SD707 würde ich dann am liebsten einem Assistenten in die Hand drücken.

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