Tiefe in Bildern mit der Luftperspektive: Der blaue Dunst

Es muss nicht gleich Stereo-3D sein, um in einem Bild Tiefenwirkung zu erzielen. Viele andere Faktoren sorgen für einen räumlichen Eindruck der Tiefe. Wer diese Faktoren kennt und bei der Farbkorrektur einsetzt, bekommt schönere Bilder.

Besonders, wenn er auf Mallorca ist.

Was hat Mallorca damit zu tun?

Anfang April war ich zehn Tage mit dem Rad auf Mallorca. Mal abschalten und die Gedanken schweifen lassen. Keine Kamera dabei – nur das iPhone.

Begleitet hat mich mein Freund Christian. Der ist ein alter Fernsehmann und muss an jeder Ecke anhalten, um Fotos zu machen: Klöster, Mauern, Räder – nichts war vor seiner Kamera sicher. Aus seinen Bildern wurden Geschichten, die Ihr Euch auf Christians Seite „Ich fahr Rad“ ansehen könnt.

Blick auf die Insel Cabrera vor der Südspitze Mallorcas.
Blick auf die Insel Cabrera vor der Südspitze Mallorcas.

Ich wollte ja eigentlich nur fahren: Berg rauf, Berg wieder runter, irgendwo nen Kaffee trinken und dann wieder ins Hotel. Sightseeing? Nicht einmal in den 17 Jahren, die ich jetzt regelmäßig nach Mallorca radle.

Aber als Christian so im Kloster vor sich hin fotografierte hatte ich Zeit, den Blick schweifen zu lassen. Vom Kloster Monti Sion (Google Maps) herab hatte ich eine tolle Aussicht auf den Süden und Westen der Insel.

Das Rad vorne, die Ferne hinten.
Das Rad vorne, die Ferne hinten.

Von den Blauen Bergen

„Das sieht gut aus,“ überlegte ich und mir fiel ein, was ich in einem Buch über Color Grading gelesen hatte: Berge in der Ferne wirken bläulich, sie haben weniger Kontrast und sind etwas heller.

Im Umkehrschluss: Blau steht für Ferne. Diesen Ansatz nutze ich häufig – auch bei Innenaufnahmen. Ein wenig Blau in den Hintergrund, schon wirkt ein Bild tiefer. Das lohnt besonders dann, wenn ein Mensch im Vordergrund zu sehen ist. So gibt es noch den Farbkontrast zwischen dem orangenen Gesicht und dem bläulichen Hintergrund.

Blau bringt also Tiefe. Aber was sorgt noch für Tiefe?

Hier in den Bildern ist es gut zu sehen: Dunst bringt Tiefenwirkung. Weit entferne Berge verschwimmen zu kontrastarmen Schemen. Für meine tägliche Arbeit hat dieser Gedanke noch keine so große Rolle gespielt. Ok, vielleicht ließe sich aus dem Dunst der Ferne folgern, dass wir einen unscharfen Hintergrund als „weit weg“ interpretieren?

In jedem Fall aber ist klar: Tiefenwirkung bedeutet nicht gleich 3D. Viele andere Faktoren spielen da eine Rolle. Zwei davon habe ich heute vorgestellt: Blau und Dunst. Ein weiteres wichtiges Element für Tiefenwirkung sind Linien und Helligkeitsverläufe. Darauf komme ich aber noch einmal gesondert.

Hügel an der Südwestlichen Küste Mallorcas gesehen vom Kloster Monti Sion,
Hügel an der Südwestlichen Küste Mallorcas gesehen vom Kloster Monti Sion,

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