Geringe Tiefenschärfe in Smartphone-Filmen – wie geht das?

Wie bekomme ich einen unscharfen Hintergrund bei Handyvideos? Das ist eine gute und schwierige Frage. Sie können eine geringe Tiefenschärfe in einem Handyvideo erzeugen – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Welche, das zeigt dieser Beitrag.

Unscharfer Hintergrund im Handyvideo – so geht’s

  1. Platzieren Sie ein Objekt nah an der Linse des Smartphones.
  2. Falls Ihr Handy mehrere Linsen hat, schalten Sie auf die längste Brennweite – also die stärkste Vergrößerung.
  3. Tippen Sie in der Videoapp auf das Objekt, so dass das Handy darauf scharf stellt.
  4. Der Hintergrund erscheint jetzt unscharf.
  5. Drücken Sie den Auslöser und filmen Sie das Objekt.

Achtung: der Trick funktioniert nur, wenn das Vordergrundobjekt nah an der Handylinse ist.

Unscharfer Hintergrund in Handyvideo
Geringe Tiefenschärfe liefert das Smartphone nur bei nahe liegenden Objekten.

Schärfeverlagerung: Schärfe ziehen im Smartphone-Video

Sofern Sie ein nahe liegendes Vordergrundobjekt haben, können Sie die Schärfe zwischen Vordergrund und Hintergrund verlagern. Diesen Vorgang nennt man Schärfeverlagerung.

  1. Befolgen Sie die Schritte aus dem vorhergehenden Absatz.
  2. Während der Film läuft, tippen sie einmal auf den Hintergrund. Nach einem Augenblick stellt das Handy auf den Hintergrund scharf.
  3. Tippen Sie wieder auf das Objekt im Vordergrund. Die Schärfe wird wieder nach vorne verlagert.

Tipp: Mit der App Filmic Pro können Sie sogar eine Schärfefahrt probieren, also das langsame Verlagern der Schärfe. Halten Sie dazu den Finger so lange auf das Rechteck im Videofenster, bis am rechten Rand das Fokusrad erscheint. Ziehen Sie das Rad nach oben oder unten, um die Schärfe einzustellen. Mit etwas Übung bekommen Sie dann sanfte Schärfefahrten hin.

Filmic Pro mit Schärferad
Die Videoapp Filmic Pro hat einen Schärferegler (hier am rechten Bildrand), mit dem Sie die Schärfe von Hand einstellen.

Begriffe: Tiefenschärfe, Schärfentiefe, Tiefenunschärfe?

  • Ich nutze die Begriffe Tiefenschärfe und Schärfentiefe synonym.
  • Auch der Begriff “Tiefenunschärfe” passt an dieser Stelle.
  • Um exakt zu sein, spreche ich gerne vom Schärfebereich, also der Zone, in der die Schärfe gegeben ist.
  • Der Schärfebereich kann größer oder kleiner ausfallen.
  • Je kleiner der Schärfebereich ist, desto geringer die Tiefenschärfe, desto höher die Tiefenunschärfe.

Wozu eine geringe Tiefenschärfe?

  • Mit einer geringen Tiefenschärfe können Sie ein Objekt im Vordergrund schön vom Hintergrund abheben.
  • Die Unschärfe zeichnet schöne Muster in den Hintergrund – besonders, wenn dort Lichtquellen zu finden sind.
  • Eine geringe Tiefenschärfe lässt die Aufnahmen so wirken, als wären sie für das Kino entstanden.
  • Bei Interviews nutze ich eine Unschärfe im Hintergrund gerne, um den Blick auf den Interviewten zu lenken.

Davon hängt die Tiefenschärfe ab

  • Blende: je weiter offen die Blende (geringe Blendenzahl), desto kleiner der Schärfebereich (bei Smartphone lässt sich die Blende nicht ändern).
  • Brennweite: je länger die Brennweite, also je stärker der Tele-Effekt, desto kleiner der Schärfebereich (nur bei Smartphones mit mehreren Linsen).
  • Sensorgröße: je größer der Sensor, desto kleiner der Schärfebereich (Smartphone-Sensoren sind winzig).
  • Nähe des gefilmten Objekts: je näher das Objekt, desto geringer der Schärfebereich.

Handy schlecht für geringe Tiefenschärfe

Mit Ausnahme ganz nah platzierte Objekte eignet sich das Handy nicht für Videoaufnahmen mit geringer Tiefenschärfe.

Den kleinen Schärfebereich bekommen Sie mit Kameras besser hin, die einen größeren Sensor haben.

Dazu zählen aktuelle Camcorder mit 35mm-Sensoren wie die Sony PXW F5 oder Spiegelreflexkameras mit Vollformat-Sensoren, ebenso wie spiegellose Kameras.

Auch Kameras mit 1-Zoll-Sensoren liefern mit längeren Brennweiten und großen Blendenöffnungen schön unscharfe Hintergründe.

Unscharfer Hintergrund bei Handyfoto – das geht einfach

In der Foto-App der meisten aktuellen Smartphones gibt es einen Portrait-Modus. Der erkennt Gesichter (manchmal auch die von Hunden) und zeichnet den umgebenden Hintergrund weich.

Soweit ich das verstanden habe, kommen hierbei zwei Verfahren zum Einsatz:

  • Künstliche Intelligenz, die Gesichter anhand der typischen Merkmale (Hauttöne, Augen, Nase, Mund) erkennt.
  • Ermitteln von Entfernungsinformationen über die zweite Linse.

Das Problem bei der Sache: Das funktioniert aktuell nur für Fotos. Denn der Rechenaufwand stört zwar nicht bei einem Einzelbild, wohl aber dann, wenn es um 30 Bilder pro Sekunde geht.

Dalmatiner - Portraitfunktion aktiviert
Mit aktivierter Portraitfunktion sieht das Bild viel besser aus – der unaufgeräumte Hintergrund verschwindet in der Unschärfe.
Dalmatiner - Portraitfunktion ausgeschaltet
Hier unsere Dalmatiner-Dame Fini ohne Portrait-Modus. Der Hintergrund wirkt nicht sehr aufgeräumt.

Martin Goldmann beim Seminar VideoproduktionMartin Goldmann

Ich helfe Unternehmen mit Coachings und Seminaren, bessere Videos zu drehen und arbeite regelmäßig als Redakteur oder Kameramann für Unternehmensvideos.
Darüber hinaus betreue ich den Videokanal der Nutzwertplattform Tippscout.de und betreibe einen eigenen Youtube-Kanal rund um die Video-Produktion.

 

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