In welcher Auflösung Handy-Filme drehen – Full HD oder 4K?

„In welcher Auflösung sollen wir denn drehen?“ – diese Frage kommt häufig auf Schulungen. Die Antwort: „Kommt darauf an.“ Ob man Videos in Full HD oder 4K drehen soll, hängt davon ab, wie das Material weiterverarbeitet wird.

4K: Je mehr Daten, desto besser

Für 4K-Aufnahmen spricht die Menge an Datenmaterial. Sie bekommen den Film in der größtmöglichen Auflösung. Das Material ist zukunftssicher und auch in ein paar Jahren noch verwendbar, wenn alle Workflows auf 4K umgestellt sind. Bleibt nur die Frage, ob Sie Handyvideos tatsächlich für das Archiv drehen.

Weiterer Vorteil: Selbst wenn Sie als Ausspielformat 1080p, also Full HD wählen, ist die Aufnahme in 4K eine Überlegung wert. Denn mit dem Verkleinern des Materials haben Sie mehr Bildinformationen im Material, als bei einer Aufnahme in 1080p. Je nach Videoschnitt-Programm ergeben verkleinerte 4K-Aufnahmen also sehr gut verwertbares Full HD-Material.

HD, Full HD, 4K – Was ist was?

HD steht für eine Auflösung von 1280 × 720 Bildpunkten. TV-Sender liefern in der Regel dieses Format an Ihren TV zu Hause.

Full HD steht für 1920 × 1080 Bildpunkte. Das ist der Noch-Standard bei vielen Produktionen für das Internet.

4K wird in der Regel gleich gesetzt mit UHD, das 3840 × 2160 Bildpunkte umfasst. Echtes 4K hätte mindestens 4000 Bildpunkte in der horizontalen. Die meisten 4K-Kameras liefern jedoch UHD.

4K: Probleme im Schnitt

Warum also nicht alles in 4K aufnehmen? Vor ein paar Monaten noch hätte ich gesagt: Der einzige Grund, der dagegen spricht ist, wenn Sie das Material vom Handy aus hochladen wollen. Denn das würde lange dauern und dem Datentarif Ihres Handys arg zusetzen.

Doch es gibt noch einen anderen Grund: Das Schnittprogramm auf Ihrem PC. Denn nicht jede Software kommt mit dem Material aus dem Handy gut zurecht.

Die Gründe:

  • 4K Material sorgt für größere Datenmengen, die von der Festplatte ins Schnittprogramm geschaufelt werden wollen
  • das in Handys stark komprimierte Material muss vom Schnittprogramm erst einmal in Einzelbilder umgerechnet werden

In Unternehmen sind viele Computer nicht für die Arbeit mit Videodaten optimiert. Ich habe hier ein Notebook, das zwar eine schnelle Grafikkarte, aber einen relativ langsamen Prozessor hat. Sobald ich 4K-Material in Premiere CC lade oder versuche, mit Shotcut zu bearbeiten, geht das System in die Knie. Statt flüssigem Film ruckelnde Einzelbilder. Für eine schnelle Nachbearbeitung ist das unzumutbar. Klar, Premiere kann Proxies herausrechnen, also verkleinerte Platzhalter, mit denen man schneiden kann. Doch das bremst den Workflow. Und nicht auf allen Computern ist Premiere vorhanden. Wer mit Shotcut schneidet oder gar mit Camtasia, muss mit Ruckelbildern leben.

4K und der Platzbedarf

Ein weiteres Problem mit 4K ergibt sich, sobald Sie wenig Platz auf Ihrem Handy haben. Denn 4K-Video braucht bei gleicher Kompression viermal so Platz wie Full HD-Video. An längeren Drehtagen wird der Platz knapp. Und es kostet mehr Zeit, das Material auf einen PC zu überspielen oder in einen Cloud-Speicher hochzuladen.

Auch die Archive werden mit 4K-Material schneller voll. Für die langfristige Speicherung auch ein Argument.

Also niemals 4K?

Ich rate nicht generell ab von 4K. Aber Sie sollten an die Probleme denken, die 4K mit sich bringt. Mein Rat: Testen. Bevor Sie an Ihr erstes Projekt gehen, drehen Sie Testaufnahmen und probieren Sie aus, wie sich Ihr Schnittprogramm mit dem Material verhält. Im Zweifel würde ich zunächst mit 1080p, also Full HD drehen. Das sollten Sie mit jedem aktuellen Programm auf jedem halbwegs aktuellen PC schneiden können.

Martin Goldmann beim Seminar VideoproduktionJetzt anschauen: Meine Seminare zum Video selber machen. Inhouse-Schulungen für alle Unternehmen und Selbständige, die eigene Filme produzieren wollen.