Warum ich einfarbige Hintergr├╝nde schade finde

Immer wieder sehe ich Aufsager-Filme vor neutralem Hintergrund. Mit ÔÇ×AufsagerÔÇť meine ich Filme, in denen ein Mensch vor der Kamera steht und etwas erz├Ąhlt. Schulungsvideos, Videocasts, Firmenvideos und so weiter.

Nun haben solche Aufsager an sich ein Problem: L├Ąnger als 20 Sekunden einen Menschen anzuschauen ist uninteressant. Wir sind hier bei Videos, bei Bewegtbild. Das Auge will unterhalten werden. So ein herumstehender Mensch ist nach sp├Ątestens 20 Sekunden langweilig.

Langweiliger Kopf vor wei├čer Wand. Lediglich die ausgepr├Ągte Mimik rettet das Bild ;)
Langweiliger Kopf vor wei├čer Wand. Lediglich die ausgepr├Ągte Mimik rettet das Bild ­čśë

Und wenn der Mensch dann noch vor einer wei├čen oder einfarbigen Wand steht? Dann wird’s noch langweiliger. Also zumindest meiner Meinung nach.

Meine Meinung zusammengefasst

  1. Film ist ein Medium, das wie kein anderes von Tiefe lebt. Eine wei├če Wand bringt keine Tiefe. Gegenst├Ąnde im Hintergrund geben Tiefe.
  2. ┬áGegenst├Ąnde im Hintergrund k├Ânnen etwas erz├Ąhlen, sie bieten einen Kontext. Ich w├╝rde nie darauf verzichten wollen.
  3. Talking Heads werden optisch sehr schnell langweilig. Ein wenig Leben im Bildhintergrund kann da helfen.
  4. Das Auge will unterhalten werden. Der Unterhaltungswert einer wei├čen Wand ist: Null.

Der Hintergrund hat etwas zu erz├Ąhlen

Denkt┬áimmer daran, in welchem Medium Ihr unterwegs seid: Film. Bewegtbild. Wenn Ihr einfach nur etwas zu erz├Ąhlen habt, reicht auch eine Audiodatei und dazu ein Foto. Oder geschriebener Text mit Bild.

Dabei kann der Hintergrund so viel erz├Ąhlen. Platziert Gegenst├Ąnde im Hintergrund, die zum Thema passen. Zur Not tut es auch eine Regalwand mit B├╝chern (vorsicht, welche Titel darin zu sehen sind). Traut Euch, etwas ├╝ber Euch zu zeigen.

Wenn Ihr Video dreht, bedient auch das Medium. Das f├Ąngt bei einem lebendigen Hintergrund an und geht weiter bei guten Schnittbildern.

Hintergr├╝ndig: Der Hintergrund erz├Ąhlt eine Menge ├╝ber mich. Filmb├╝cher, Kameras und ein geheimnisvolles Nummernschild.
Hintergr├╝ndig: Der Hintergrund erz├Ąhlt eine Menge ├╝ber mich. Filmb├╝cher, Kameras und ein geheimnisvolles Nummernschild.

Blendet Euch rechtzeitig aus

So ein sprechender Kopf ist, wie gesagt, vielleicht f├╝r 20 Sekunden interessant. Vor einem wei├čen Hintergrund vielleicht nur f├╝nf oder zehn. Deshalb ist es wichtig, nicht zu lange im Bild zu bleiben. Schnittbilder helfen dabei. Dreht Bilder zu dem, was Ihr vor der Kamera erz├Ąhlt und schneidet sie dann hinein. So bleibt ein Video interessant f├╝r die Zuschauer.

Meine Tipps

  1. Lebendigen Hintergrund w├Ąhlen. Da darf sich ruhig etwas tun!
  2. Tiefe zulassen. Warum nicht in den Raum hinein filmen?
  3. Lasst den Hintergrund etwas erz├Ąhlen. Was ist Euer Hintergrund?
  4. Nutzt Schnittbilder.

Mein Kommentar zum Thema ÔÇ×Hintergrund soll nicht AblenkenÔÇť


Eine Sache m├Âchte ich noch los werden. Die Sache mit dem wei├čen Hintergrund. Ich wei├č, das wird diskutiert. Aber ich habe eine sehr klare Meinung dazu:

Wei├če Hintergr├╝nde sind verschenkt! Verwenden Sie den Hintergrund, um mehr ├╝ber sich und Ihre Inhalte zu erz├Ąhlen. Setzen Sie Ihren Hintergrund in Kontext zu ihre Geschichte.
Jetzt h├Âre ich: ÔÇ×Ein wei├čer Hintergrund ist gut, weil er nicht von Sprecherin oder Sprecher ablenkt.ÔÇť

Dieses Argument funktioniert nicht bei mir.

Denn es basiert auf einer falschen Annahme, n├Ąmlich der, dass die Zuschauer ausschlie├člich auf das Videobild schauen. So eine Annahme mag im Kino noch korrekt sein. Aber schon beim Fernseher trifft sie nicht mehr zu – und schon dreimal nicht bei einem Videobild auf einem Computer-Monitor.

Hier ist das Video maximal so gro├č wie der Bildschirm – meist sogar deutlich kleiner. Und was passiert, wen man sich einen Menschen im Video l├Ąnger als zehn, f├╝nfzehn Sekunden angesehen hat? Man hat sich satt gesehen und sucht neue Bilder. Und wo soll man die suchen? Im Video? Ja genau! Hier brauchen wir Anreize f├╝r die Augen, hier muss es etwas zu sehen geben. Dran bleiben! Und warum? Weil sonst die Augen wandern – auf andere Bereiche des Bildschirmes oder ganz weg vom Monitor.

Denn eines ist klar: Au├čerhalb des Videos gibt es st├Ąndig Ablenkungen – deswegen sollten wir alles tun, um die Zuschauer nicht zu langweilen. Dazu geh├Ârt auch ein lebendiger Hintergrund im Kontext zum Inhalt des Videos.

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