Videocasts selber machen: Die Automatik des Camcorders und ihre T├╝cken

Geh├Âren Sie auch zu den Leuten, die gerne Videocasts drehen und sich dabei selbst vor die Kamera stellen? Oder drehen Sie f├╝r Freunde, Bekannte, Kunden Videocasts? Dann ist diese kleine Artikelreihe genau f├╝r Sie gemacht. Wenn Sie diesen Beitrag gelesen haben, wissen Sie mehr ├╝ber Videocasts und k├Ânnen typische Fehler vermeiden.

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In diesem ersten Teil geht es um die Automatik Ihres Camcorders. Wahrscheinlich nutzen Sie die bei Ihren Aufnahmen. Das ist auch ok so – allerdings kann die vermeintlich intelligente Automatik auch manchmal ziemlich dumm sein.

Ein kleiner Disclaimer : Ich beziehe mich in diesem Artikel ausdr├╝cklich auf Camcorder mit Automatik-Modus. Auch die Beispielbilder stammen zum gr├Â├čten Teil aus diesen kleinen Kameras. Mit h├Âherwertigen Kameras aus dem semiprofessionellen oder professionellen Umfeld geht man anders um und erzielt auch andere Ergebnisse.

Die Automatik

Ich habe fr├╝her immer gesagt: ÔÇ×Die Kamera-Automatik ist b├ÂseÔÇť. Das war ├╝berspitzt. Heute sage ich ÔÇ×Die Kameraautomatik ist gut, so lange sie funktioniertÔÇť. Das Problem ist n├Ąmlich, dass die Automatik nur unter gewissen Rahmenbedingungen sauber arbeitet. Manchmal versagt sie. Wie Sie das verhindern und wie Sie Fehler nachtr├Ąglich korrigieren, ist Thema dieses Artikels.

Sind Sie blau?

Zuschauer achten beim Betrachten eines Bildes vor allem auf den Hautton des Menschen. Unsere Haut ist ÔÇö vereinfacht gesagt ÔÇö orange. Also erwartet der Betrachter eines Bildes oder eines Videos dass die Haut diesen Farbton hat.

Falls jedoch der automatische Wei├čabgleich der Kamera versagt, bekommt die Haut einen Farbstich, zum Beispiel ins Blaue. So ein Blaustich wirkt ungesund. Wenn Sie den n├Ąchsten Krimi ansehen, schauen Sie mal, wie die Leichen dort geschminkt sind. Blaue Lippen, bl├Ąuliche Haut. Das sollten Sie vermeiden, au├čer Sie wollen zu Halloween einen Horror-Videocast produzieren.

Blaustich wegen eines falschen Wei├čabgleichs.
Blaustich wegen eines falschen Wei├čabgleichs.

Genauso ungesund sieht es aus, wenn die Haut zu gelb oder sogar gr├╝nlich scheint. In solchen F├Ąllen sind meist Leuchtstoffr├Âhren die Ursache, also Neonleuchten oder Energiesparlampen. Auch bei LED-Licht m├╝ssen Sie mit einem leichten Gr├╝nstich rechnen.

Dieses Bild hat einen leichten Stich ins Gelbe.
Dieses Bild hat einen leichten Stich ins Gelbe.

Ist jetzt ein Gelbstich auch ein Gr├╝nstich? Naja, so ein wenig. Denn gelbes Licht ist eine Mischung aus rotem und gr├╝nem Licht. Kommt zu viel gr├╝n ins Spiel, wird die Haut unnat├╝rlich gelb.

Farbkorrektur

Einen Farbstich k├Ânnen Sie nachtr├Ąglich mit der Farbkorrektur beheben, die praktisch jedes Schnittprogramm anbietet. Ist die Haut zu blau, schieben Sie die Farbe ein wenig ins Orangene, bis die Haut gesund und frisch aussieht.

Erscheint der Hautton gr├╝nlich, schieben Sie die Farbe ganz leicht in Richtung Magenta. Bei einem Gelbstich wird es etwas knifflig. Der erste Ansatz ist, ein wenig Blau hineinzudrehen. Funktioniert das nicht, probieren Sie es mit mehr Rot, eventuell mit einer Mischung aus Rot und Magenta. Mit ein wenig Erfahrung haben Sie bald den Bogen raus.

Die Hautfarbe ist der wichtigste Aspekt! Wenn im Hintergrund die Farben nicht stimmen, ist das lange nicht so problematisch wie ein falscher, ungesunder Hautton.

So sollte es aussehen

So sollte die Gesichtsfarbe aussehen - ein Orangeton.
So sollte die Gesichtsfarbe aussehen – ein Orangeton.

Mischlicht vermeiden

Warum aber versagt der Wei├čabgleich der Kamera? Die Ursache ist meist Mischlicht. ÔÇ×MischlichtÔÇť bedeutet: Von au├čen f├Ąllt Tageslicht herein (das ist bl├Ąulich), im Raum leuchtet eine Kunstlichtlampe (die scheint orangerot). Mit solchen Lichtsituationen hat der automatische Wei├čabgleich Probleme. Wenn es geht, sollten Sie bei einem Dreh mit der Automatik solche Situationen vermeiden.

Tags├╝ber kommen Sie in der Regel mit dem Tageslicht gut aus. Stellen Sie sich und die Kamera so, dass die gedachte Linie zwischen Ihnen und der Kamera in etwa parallel zu einem Fenster verl├Ąuft. Oder Sie stellen sich mit dem Gesicht zum Fenster und die Kamera zwischen sich und das Fenster. So bekommen Sie zwar kein besonders interessantes Licht, aber Sie haben weniger Probleme mit falschen Hautt├Ânen.

Wei├čabgleich von Hand

Wenn sich Mischlicht nicht vermeiden l├Ąsst, oder Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, machen Sie einen manuellen Wei├čabgleich. Daf├╝r brauchen Sie ein wei├čes Blatt Papier. (Profis verwenden oft eine Graukarte, aber das Papier reicht auch).

Das Papier halten Sie an die Stelle, die Sie filmen m├Âchten, in unserem Beispiel also am besten vor den Kopf. Der Trick ist, das Papier dabei ein wenig in Richtung der Lichtquelle zu drehen. Kommt das Licht von der Seite, drehen Sie das Papier so, dass es etwa in einem 45-Grad-Winkel zur Kameraachse steht. Die Kameraachse ist die gedachte Linie zwischen Ihnen und der Kamera.

Kommt das Licht von oben, drehen Sie das Papier so, dass die Fl├Ąche des Blattes etwa in einem 45-Grad-Winkel nach oben zeigt.

Eine kleine Hilfe: Tun Sie so als h├Ątten Sie einen Spiegel in der Hand und wollten das Licht von der Lichtquelle auf die Kamera lenken.

So halten Sie das Papier beim Wei├čabgleich richtig.
So halten Sie das Papier beim Wei├čabgleich richtig.

Dann zoomen Sie mit der Kamera so auf das Papier, dass es fast oder komplett den Sucher ausf├╝llt und dr├╝cken auf den Wei├čabgleich. (Wie genau der Wei├čabgleich bei Ihrer Kamera funktioniert, steht in der Bedienungsanleitung.)

Tipp: Lassen Sie sich beim Wei├čabgleich helfen. Sie k├Ânnen nicht gleichzeitig vor und hinter der Kamera stehen.

Das Gesicht richtig ausleuchten

Ein h├Ąufiger Fehler: Das Gesicht ist zu dunkel. Die Ursache: Der Hintergrund ist zu hell oder Sie haben zu helle Kleidung an.

Die Automatik des Camcorders versucht, das beste aus dem vorhandenen Licht zu machen: Sie nimmt den hellsten und den dunkelsten Punkt im Bild und richtet danach die Belichtung aus. Falls eine zu helle Fl├Ąche im Bild ist, versucht die Kamera auch die so zu erfassen, dass sie nicht ├╝berbelichtet ist. Dabei regelt die Automatik die Helligkeit so weit herunter, dass andere Elemente im Bild viel zu dunkel werden.

So etwas passiert zum Beispiel wenn Sie vor einer hell beleuchteten, wei├čen Wand stehen. Dann blendet die Kamera so weit ab, dass Ihr Gesicht zu dunkel wird.

Zu dunkles Gesicht wegen zu hellem Hintergrund.
Zu dunkles Gesicht wegen zu hellem Hintergrund.

Um das Problem zu l├Âsen, gibt es drei Ans├Ątze:

1. Den Hintergrund abdunkeln oder einen dunkleren Hintergrund w├Ąhlen.

2. Mehr Licht auf den Vordergrund bringen, also das Gesicht beleuchten. Oft reicht es schon, den Kopf weiter ins Licht zu drehen und mit der Kamera entsprechend mitzugehen.

3. Die Kleidung wechseln. Blendend wei├če Blusen oder Hemden werfen so viel Licht zur├╝ck, dass die Kamera auch hier abblendet. Bei Damen kann auch das Dekollet├ę ein Problem werden. Die Haut hier ist meist deutlich heller als der Hautton im Gesicht. Das ist ├Ąhnlich wie der Helligkeitsunterschied an Ihrer Elle. Glauben Sie nicht? Dann sehen Sie sich Ihren Unterarm mal von oben an. Jetzt drehen Sie die Unterseite der Elle nach oben. Die Hautfl├Ąche ist hier deutlich heller. Lieber nicht so weit ausgeschnittene Kleidung w├Ąhlen.

4. Manuell belichten, also die Blende von Hand einstellen. Ob das bei Ihrer Kamera funktioniert, verr├Ąt die Bedienungsanleitung. Ich rate dazu, erst ein paar Testaufnahmen mit der manuellen Belichtung zu machen und diese am Computer anzusehen. So k├Ânnen Sie sicher gehen, dass die Belichtung auch hinhaut.

├ťbrigens kann es mit der Kameraautomatik auch passieren, dass ein Gesicht viel zu hell wird, n├Ąmlich dann, wenn der Hintergrund zu dunkel ist. Ein dickes Problem ist der schwarze Hintergrund. Der sieht vielleicht schick aus. Aber sie Kamera versucht verzweifelt, den Hintergrund so weit aufzuhellen, dass er nicht abs├Ąuft, also in strukturlosem Schwarz versinkt. Als Resultat wird das Gesicht viel zu hell. Abhilfe: manuell belichten oder einen helleren Hintergrund w├Ąhlen.

Das Gesicht ist auf der rechten Seite leicht ├╝berstrahlt. Grund sind der dunkle Hintergrund und die Kameraautomatik. Inzwischen ist Stephan von Triathlon-Tipps auf einen anderen Hintergrund umgestiegen. (Bild mit freundlicher Genehmigung von Stephan Goldmann)
Das Gesicht ist auf der rechten Seite leicht ├╝berstrahlt. Grund sind der dunkle Hintergrund und die Kameraautomatik. Inzwischen ist Stephan von Triathlon-Tipps auf einen anderen Hintergrund umgestiegen. (Bild mit freundlicher Genehmigung von Stephan Goldmann)

Bei Bewegungen auf die Belichtungsautomatik achten

Die Belichtungsautomatik Ihres Camcorders bleibt w├Ąhrend der Aufnahme aktiv. Sobald sich die Lichtverh├Ąltnisse ├Ąndern, regelt die Automatik nach. Das bringt ein Problem mit sich. Denn die Lichtverh├Ąltnisse ├Ąndern sich f├╝r die Kamera auch, wenn pl├Âtzlich helle Fl├Ąchen ins Bild kommen. Das Bild wird insgesamt heller.

Manchmal reicht es der Kamera schon, wenn der hellere Unterarm des Sprechers oder der Sprecherin zu sehen ist. Das zuverl├Ąssigste Mittel, um die Belichtungsgautomatik durcheinander zu bringen ist ein wei├čes Blatt Papier. Wenn Sie also vom Blatt ablesen und es dabei immer wieder ins Bild halten wird das Bild immer wieder heller und dunkler. Die Kamera versucht jeweils gegenzusteuern. Das Ergebnis k├Ânnen Sie dann getrost in die Tonne treten.

Abhilfe: Kein wei├čes Papier verwenden oder die Belichtungsgautomatik abschalten.

Vorsicht: Sch├Ąrfeautomatik

Und noch ein Problem hat die Automatik Ihres Camcorders. Die Sch├Ąrfe. So lange Ihr Kopf etwa in der Mitte des Bildes ist, funktioniert alles. Der Camcorder stellt Ihr Gesicht sch├Ân scharf.

Ein Bild sieht aber nicht gut aus, wenn der Kopf genau in der Mitte ist.  (Mehr dazu in Inszenierung und Ton). Im Normalfall ist der Kopf ein wenig rechts oder links im Bild. Dann aber ist etwas aus dem Hintergrund in der Mitte. Die Kamera stellt darauf scharf und Ihr Kopf wird unscharf.

Scharfer Hintergrund, unscharfer Vordergrund. Hier hat die Automatik versagt. Au├čerdem ist der Kopf im Vordergrund zu dunkel.
Scharfer Hintergrund, unscharfer Vordergrund. Hier hat die Automatik versagt. Au├čerdem ist der Kopf im Vordergrund zu dunkel.

Schlimmer noch: Die Kameraautomatik wei├č nicht, worauf sie scharf stellen soll. Auf den Hintergrund oder auf Ihren Kopf im Vordergrund. Dann wechselt die Sch├Ąrfe immer wieder von hinten nach vorne. Sie ÔÇ×pumptÔÇť. Solches Material eignet sich nur noch f├╝r den M├╝lleimer.

Einige Kameras versuchen dem Problem mit einer Gesichtserkennung zu begegnen. Die erkennt einen Kopf und stellt die Sch├Ąrfe genau darauf ein. Das ist praktisch – funktioniert aber auch nur dann, wenn der Kopf gut ausgeleuchtet ist. Au├čerdem kann es Probleme geben, wenn mehrere K├Âpfe im Bild sind – beispielsweise einer im Vordergrund und einer auf einem gro├čen Foto im Hintergrund.

Abhilfe f├╝r solche Probleme: Ausprobieren, ob die Gesichtserkennung funktioniert oder die Sch├Ąrfe von Hand einstellen.

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