Livestreaming mit Ecamm Live

Ecamm bietet für knapp 30 Dollar eine Live Streaming Software an, die eine Lücke füllt zwischen Live Streams vom Handy und aufwändigen Programmen wie OBS, Wirecast oder Vmix. Ich habe mir Ecamm Live mal genauer angeschaut. Das Programm gibt es nur für den Mac.

Der Leistungsumfang von Ecamm Live

Ecamm Live kann besseres Live Streaming als das Handy, aber weit weniger als zum Beispiel Vmix. Zum Beispiel:

  • Streaming nach Facebook
  • Mehrere Kameras
  • Mehrere Tonquellen
  • Anzeigen des Bildschirms
  • Abspielen von Filmen
  • Anzeigen von Fotos (auch transparent, zum Beispiel für Bauchbinden)
  • Anzeigen von Overlay-Text

Klingt insgesamt ganz gut, oder? Allerdings muss man mit einigen Einschränkungen leben.

Ich kann nicht wie in den großen Programmen eine Sendung vorbauen, indem ich mir die Elemente in eine Liste packe. Statt dessen muss ich jeden Film von Hand laden. Wobei: Das geht per Drag & Drop auf das Sendefenster. Sprich: wenn ich mir die Filme in einem Ordner bereit lege und durchnummeriere, kann ich sie einigermaßen koordiniert abspielen.

Ähnlich funktioniert das mit den Bildern. Ich kann einzelne Bilder auf das Abspielfenster ziehen und sie werden dann gesendet. Alles sehr händisch und schlicht gehalten, aber mit etwas Übung bekommt man das hin.

Was ich schade finde: Bislang funktioniert das Streaming nur in Richtung Facebook. Ecamm kündigt aber an, weitere Plattformen zu unterstützen. Ich fände da Youtube noch interessant.

Ecamm live: Login bei Facebook
Nach dem Login bei Facebook ist alles geregelt. Das Programm kann live gehen.

Das Setup des Live Streams

Einen Live Stream aufsetzen, geht mit Ecamm Live in Nullkommanix: Beim Starten des Programms melde ich mich bei Facebook an. Dann erscheint schon das Sendefenster. Hier kann ich in Ruhe die Zusammenstellung der Sendung ausprobieren.

In meinem ersten Versuch habe ich das so gemacht:

  1. Eine Texteinblendung mit meinem Namen eingebaut.
  2. Ein paar Bilder auf den Desktop gelegt, um sie in die Sendung ziehen zu können.
  3. Zwei Filme auf den Desktop gelegt, um sie ebenfalls in die Sendung zu holen.

Dann rechts unten auswählen, wo die Sendung stattfinden soll – in der privaten Timeline, auf einer Seite oder in einer von mir verwalteten Gruppe – und schließlich live gehen.

Liste von Seiten und Gruppen für den Livestream mit Ecamm
Nach dem Login sehe ich eine Liste der verfügbaren Seiten und Gruppen, auf die ich streamen kann.

Schon bin ich auf Sendung.

Die Sendung

Bis der Live Stream zu sehen ist, dauert es wenige Sekunden. Dann kann es los gehen. Sobald Ecamm Live auf Sendung ist, sind oben im Sendefenster zwei Statusanzeigen zu sehen: Die eine zeigt, ob der Stream in HD ist oder nicht und ob Ton über das Mikro heraus geht. Der andere zeigt die Anzahl der Zuschauer.

Links im Fenster laufen die Kommentare auf – sie sind nur im Sendefenster zu sehen und werden nicht mit übertragen. Was mich störte: Jedes „Like“ wird als eigene Kommentarzeile gezeigt. Das irritiert und nimmt anderen Kommentaren den Platz.

Dann habe ich Bilder getestet:

  • Bilder kann ich einfach in das Sendefenster ziehen und dort mit der Maus positionieren.
  • Dabei lassen sich auch mehrere Bilder übereinander oder nebeneinander platzieren.
  • Mit der Zoom-Geste des Touchpad vergrößere oder verkleinere ich das Bild, das gerade unter dem Mauszeiger ist.
  • Um die Bilder zu entfernen, ziehe ich sie aus dem Sendefenster heraus.

Beim Testen der Videos habe ich das gefunden:

  • Videos ziehe ich wie Bilder in das Sendefenster.
  • Es gibt keine Möglichkeit, die Filme noch irgendwie anzupassen, ich muss sie also in FCPX oder Kyno vorschneiden.
  • Danach muss ich sie noch starten.
  • Es gibt auch eine Option, die Filme automatisch starten zu lassen.
  • Nach dem Abspielen bleibt ein Film stehen. Ich schalte dann von Hand zurück auf das Kamerabild.
  • Beim Abspielen des Films blendet Ecamm Live auf Wunsch das Kamerabild und den Ton mit ein, so dass man über den Film hinweg sprechen kann.

Den eigenen Bildschirm darf ich auch freigeben:

  • Beim Zeigen des Bildschirms ist weiter der Mikroton zu hören (alles andere wäre auch sinnfrei)
  • Die Anzeige ist flott und verzögerungsfrei.
  • Der Versuch scheitert, World of Warcraft über die Screen-Freigabe zu zeigen.
  • Ob auch die Tonausgabe des Gerätes (also Spiele-Sounds etc.) zu hören ist, muss ich noch testen.

Andere Dinge, die mir aufgefallen sind:

  • Es gibt einen Textgenerator mit allen Schriften und Farben für Infotexte.
  • Für die Texte gibt es die Effekte „Schatten“ und „Glühen“.
  • Die Texte positioniere ich einfach mit der Maus und kann sie ebenfalls aus dem Bild ziehen, um sie zu löschen.

Angelesen, aber noch nicht ausprobiert:

  • Das Programm zeigt auch animierte GIFs als Grafiken.
  • Transparenz in PNG-Bildern funktioniert.
  • Support für mehrere Kameras und Tonquellen.

Am 22. April habe ich mich dann auch an einer ersten Testsendung versucht. Bis auf einen Aussetzer bei Minute acht war ich damit zufrieden.

Wie es zu dem Aussetzer kam, weiß ich leider nicht. Nach dem Zurückschalten aus einem Film ist das Bild zwar weiter gelaufen, aber der Ton war weg. Während der Sendung hatte sich einmal das Programm gemeldet und den Stream von HD auf SD zurück geschaltet. Ich habe das von Hand revidiert. Vielleicht kam es da zu dem Aussetzer. Ganz nachvollziehen kann ich es leider nicht mehr. Ich werde weiter testen.

Fazit

Positiv

  • Intuitive Bedienung – richtig Mac like!
  • Schnelles Setup, unkomplizierte Auswahl der Zielseiten
  • HD-Stream
  • preisgünstig

Negativ

  • Keine Möglichkeit, den Stream zu speichern
  • Nur Streaming auf Facebook
  • Likes werden wie Kommentare eingeblendet

Insgesamt bin ich sehr von der Software. Ecamm hat ein wirklich preiswertes Utility für das Livestreaming auf den Markt gebracht, das den Bedarf eines Großteils der Streamer sehr gut erfüllen wird. Allerdings hat es nach oben hin klare Grenzen – es ist eher für den Solo-Betrieb und kleine Sendungen vorgesehen, als für das Livestreaming umfangreicher Sendungen oder von Veranstaltungen. Ich habe als langjähriger Kunde von Ecamm eine Art Frühbucher-Rabatt bekommen und das Programm für 15 Dollar gekauft. Ich hätte aber auch für 30 zugeschlagen. Denn die ist Ecaam Live auf jeden Fall wert.

Bezugsquelle: Ecamm (hier gibt es auch eine 7-Tage-Demoversion)

Updates zum Beitrag

24.04.2017: Probleme mit Einspielfilmen

In der aktuellen Version 1.02 hat Ecamm Live Probleme mit Einspielfilmen. Nach dem Ende eines Films stoppt die Live-Übertragung seitens Facebook und das Programm selbst merkt erst einmal nichts davon. Ich konnte den Effekt in meinem privaten Profil wie auch auf FB-Seiten mit unterschiedlichen Einspielfilmen nachbauen.

Derzeit stehe ich mit dem Ecamm-Support in Kontakt.

25.04.2017: geplante Features

  • Lokales Speichern der Streams
  • Skype-Einbindung (Ecamm hat seit Ewigkeiten ein Skype-Recorder-Plugin)
  • Planen/Ankündigen von Sendungen
  • Anzeige von Kommentaren

Also, da kommen noch ein paar sehr spannende Sachen.

Habe außerdem heute Abend einen Bugfix für das Film-Problem bekommen. Erster Test verlief ohne Probleme. Morgen dann mehr.

27.04.2017: Einspielfilme funktionieren

Habe nochmals ein paar Streams probiert. Die Einspielfilme funktionieren jetzt einwandfrei.

29.04.2017: Externe Kameras bringen Probleme

Habe über den Ultrastudio Mini Recorder meine FS5 angeschlossen. Leider laufen hier Ton und Bild (die gleichzeitig aus der Kamera kommen) mehr als 1 Sekunde auseinander. Interessanterweise aber funktioniert es mit dem internen Mikro des Notebooks und dem Bild aus der externen Kamera einigermaßen synchron.

Habe dazu schon an den Support geschrieben. Dort will man sich mal so einen Mini Recorder holen und testen.

12.07.2017: Version 1.2

Nun ist Ecamm Live – aus meiner Sicht – fertig. In der Version 1.2 kommen:

  • Support für den Blackmagic Mini Recorder (schon in 1.1 eingeführt)
  • Automatische Aufnahme von Streams auf der Festplatte

Das Speicherlaufwerk für Streams kann ich aussuchen. Die Aufnahme startet automatisch mit dem Stream. Aufgezeichnet wird in 720p mit einer Bitrate um die 3 MBit/s. Das lässt kaum Spielraum zur Nachbearbeitung, reicht aber für den Upload in Youtube.

 

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