Videos drehen vor dem Greenscreen

Filme drehen mit einem Greenscreen im Hintergrund hat viele Vorteile. Sie blenden den realen Hintergrund aus und ersetzen ihn mit einem beliebigen Bild oder Video, um einen ganz neuen, virtuellen Hintergrund zu schaffen. Doch das Verfahren hat seine TĂŒcken. Hier sind meine Erfahrungen mit dem Dreh vor GrĂŒn.

1. Beliebige HintergrĂŒnde dank Greenscreen

Der Greenscreen hilft in beengten VerhĂ€ltnissen: Soll ein Raum grĂ¶ĂŸer erscheinen, als er tatsĂ€chlich ist, setzen Sie Ihren Protagonisten vor den Greenscreen und blenden im Hintergrund einen Raum ein.

Dabei sollten Sie aber darauf achten, dass die GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnisse stimmen. Das Innere einer Streichholzschachtel als Hintergrund wirkt surreal – aber vielleicht ist das ja gerade der Effekt, den Sie brauchen?

Hintergrund mit Greenscreen
Mit dem Greenscreen können Sie beliebige HintergrĂŒnde einblenden

2. Greenbox ist ideal fĂŒr wechselnde Themen

FĂŒr jedes Themengebiet einen eigenen Hintergrund? Kein Problem mit dem Greenscreen und ideal, um unterschiedliche Sendungen zu drehen. Auch ideal, um Videos fĂŒr unterschiedliche Auftraggeber oder Abteilungen im Haus aufzuzeichnen.

3. Wie baut man einen Greenscreen?

GrĂŒne HintergrĂŒnde erhalten Sie auf vielen Wegen:

  • die Wand im Hintergrund grĂŒn tĂŒnchen
  • Molton-Stoff in „Chroma Green“ kaufen und aufhĂ€ngen
  • Papierhintergrund in GrĂŒn
  • faltbare Greenscreens

Ich setze gerne einen faltbaren Greenscreen (Amazon-Link) ein, den ich an einer Stange in meinem BĂŒro aufhĂ€nge. Der ist kompakt, leicht zu verstauen und halbwegs faltenfrei.

4. Wie wird aus dem grĂŒnen Hintergrund ein Bild?

Praktisch alle aktuellen Schnittprogramme bieten Keying-Masken an. Das bedeutet: Sie machen eine bestimmte Farbe im Bild unsichtbar. Dazu markieren Sie die Farbe im Hintergrund. Das Programm blendet die Farbe dann aus und macht den Inhalt der darunter liegenden Videospur sichtbar.

Greenscreen ausstanzen in Final Cut Pro X
Im Schnittprogramm legen Sie die Videospur ĂŒber den Hintergrund. Der Keyer blendet dann die Bereiche mit dem Greenscreen aus.

Denken Sie daran, dass das Keying je nach QualitÀt und LÀnge der Aufnahme einige Zeit in Anspruch nehmen kann. Je besser Sie die Aufnahme vorbereiten, desto leichter haben Sie es in der Post Production.

5. Greenscreen gut ausleuchten

Das Wichtigste ist, den Greenscreen gut auszuleuchten. Er muss hell und gleichmĂ€ĂŸig beleuchtet sein, um eine möglichst einheitliche FarbflĂ€che zu ergeben.

Ich nutze dafĂŒr zwei LED-FlĂ€chenleuchten, die ich etwa auf Kopfhöhe des Protagonisten möglichst auf den Greenscreen richte. Setzen Sie die Lichtquellen etwa im 45-Grad-Winkel zueinander an. Nehmen Sie sich Zeit beim Ausleuchten, um möglichst gleichmĂ€ĂŸiges Licht zu erzielen.

Wichtig auch: Nutzen Sie zwei identische, weiche Lichtquellen:

  • weich fĂŒr eine gleichmĂ€ĂŸige Ausleuchtung
  • identisch, um Unterschiede in der Helligkeit oder der Farbtemperatur zu vermeiden

Tipp: Falls der Greenscreen deutliche Falten hat, probieren Sie es, die Lichtquellen etwas steiler zu stellen, also so dass Sie gerade von vorne auf den Screen leuchten. Das verringert die Bildung von Schatten.

6. Abstand halten

Je weiter Ihr Protagonist vom Greenscreen entfernt ist, desto besser. Denn die grĂŒne FlĂ€che reflektiert. Das bedeutet: Schulter und Haare des Protagonisten werden grĂŒn angeleuchtet. Diese FarbsĂ€ume, auch „Spill“ stören beim Freistellen der Person.

Im Keying lassen sich diese Effekte zwar einigermaßen entfernen. Aber fĂŒr wirklich saubere Aufnahmen sollten Sie so weit weg vom grĂŒnen Hintergrund wie nur möglich.

Eine weitere, gute Maßnahme gegen den Spill-Effekt ist, eine gute Lichtkante zu setzen. Also – wie bei der Dreipunkt-Beleuchtung ĂŒblich – den Protagonisten von hinten anzuleuchten. Das kaschiert das GrĂŒn und hilft beim Freistellen.

Greenscreen Spill-Effekt
Der Spill-Effekt beim Greenscreen: Das grĂŒn reflektiert und schafft Probleme.

7. Vorsicht Handbewegungen

Wer es gewohnt ist, in großen Gesten zu sprechen, sollte sich vor dem Greenscreen einschrĂ€nken. Denn  schnelle Handbewegungen vor dem Hintergrund sorgen fĂŒr unschöne Effekte und dafĂŒr das die Hand vom Hintergrund nicht gut freigestellt wird. Solche von der BewegungsunschĂ€rfe verursachten FarbsĂ€ume lassen sich beim Keying zwar einschrĂ€nken. Ebenso kann eine kĂŒrzere Belichtungszeit helfen. Aber das eine kostet Zeit und die kĂŒrzere Belichtungszeit kann bei schnellen Bewegungen wiederum zu unschönen Rucklern fĂŒhren.

Der Protagonist sollte also keine großen Gesten machen und nicht winken. Handbewegungen vor dem Körper hingegen sind kein Problem. Auch langsame Bewegungen vor dem Screen sind machbar.

Handbewegungen vor dem Greenscreen
Möglichst keine schnellen Handbewegungen vor dem Greenscreen. Das gibt Probleme beim Freistellen.

8. Mit dem best möglichen Codec drehen

Verwenden Sie fĂŒr den Greenscreen-Dreh den best möglichen Codec, den Ihre Kamera zu bieten hat. Ideal ist eine Farbauflösung von mindestens 4:2:2 und eine möglichst hohe Bitrate. Grund dafĂŒr: FĂŒr das Keying braucht Ihre Software möglichst viele Informationen – je mehr davon, desto genauer funktioniert das Freistellen.

9. Blende auf, geringe SchÀrfentiefe

Ein letzter Tipp noch: versuchen Sie, den Hintergrund möglichst unscharf zu bekommen. Drehen Sie mit möglichst offener Blende und nicht zu weitwinkelig. Also zum Beispiel mit 50 mm Brennweite und Blende 4. Das Resultat: Je weiter der Abstand des Protagonisten, desto unschĂ€rfer wird der Hintergrund. Das wiederum sorgt fĂŒr eine homogene FarbflĂ€che, die das Keying weiter erleichtert.

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