Schneller Video schneiden: 16 Tipps, die helfen

Videos schneller schneiden? Schon bei der Vorbereitung eines Drehs können Sie eine Menge Zeit in der Post Produktion sparen, beim Dreh und im Schnitt sowieso. Hier 16 Tipps, die den Videoschnitt beschleunigen. Die Tipps funktionieren mit allen Programmen zum Video schneiden.

Schneller Schnitt schon in Konzeption

Die beiden ersten Tipps können Sie schon beim Schreiben und Konzipieren eines Videos umsetzen. Gute Planung des Drehs erleichtert den Schnitt enorm, denn sie sorgt dafür, das ausreichend und vor allem das richtige Bildmaterial vorliegt.

Schnittbilder einplanen

Schon in der redaktionellen Phase sollten Sie an den Schnitt denken. Das gilt besonders beim Planen von ausreichend Schnittbildern, neudeutsch B-Roll.

In Ihrem Video-Skript haben Sie zwei Spalten: Links der Text, der gesprochen werden soll, rechts die Spalte für die Bilder, die Sie wünschen. Nutzen Sie diese zweite Spalte und notieren Sie, welche Bilder Sie brauchen.

Shotlist anfertigen

Sobald das Skript abgesegnet ist, geht es an das Planen der Einstellungen. Nehmen Sie sich die Zeit und planen Sie alle Einstellungen, die Sie drehen wollen. Denken Sie daran, dass sie im Schnitt Alternativen brauchen und planen Sie ein paar Bilder mehr ein.

Denken Sie an das Zeit-Budget. Schließlich muss der Dreh in einer bestimmten Zeit zu schaffen sein.

Dreh

Der Dreh hat enormen Einfluss auf den Schnitt. Klar: Was Sie oder Ihre Kolleginnen nicht drehen, können Sie nicht im Schnitt verwenden. Deshalb helfen diese Tipps, an gutes Material für den Schnitt zu kommen.

10 Sekunden pro Einstellung

Halten Sie sich an die 10-Sekunden-Regel. Das bedeutet: Jede Einstellung, die Sie drehen, sollte mindestens 10 Sekunden lang sein. So bleibt immer genug Material für den Schnitt, um auch einmal eine Trickblende einzufügen oder um ein Bild etwas länger stehen zu lassen.

Fünf Einstellungen pro Szene

Nutzen Sie die Five Shot-Regel. Bilden Sie jede Szene in möglichst fünf Einstellungen ab. Und wenn dafür keine Zeit ist, liefern Sie zumindest zwei oder drei Einstellungen. Das ist beim Dreh zwar mehr Aufwand, spart im Schnitt aber enorm Zeit.

Auf Anschlüsse achten

Auf Anschluss schneiden ist effektiv und schnell. Denn Sie müssen nicht lang überlegen, wie Sie die Bilder aneinander schneiden. Dafür müssen Sie das Material aber entsprechend vorbereiten.

Ein Beispiel:

  • Sie filmen, wie jemand in ein Bücherregal fasst. (Halbnah)
  • Sie filmen, wie eine Hand zum Buch greift. (Detail)
Schneiden auf Anschluss
Der Finger bewegt sich auf die Taste zu. Die nächste Einstellung zeigt das Detail und setzt die Bewegung des Finger fort. So entsteht ein Anschluss.

Im Schnitt können Sie diese beiden Einstellungen hintereinander schneiden, sofern Sie in beiden Einstellungen dieselbe Bewegung und Bewegungsrichtung haben.

Das heißt, dass in der zweiten Einstellung die Hand aus dem Bild in das Bild hineinkommen sollte. Dann schneiden Sie aus der Bewegung zum Bücherregal hinein in die Bewegung zum Buch. Und schon haben Sie einen Anschluss.

Nichts in der Kamera löschen

Klar möchte man die schlechten Einstellungen gleich loswerden, alleine schon, um sich nicht an Fehler zu erinnern. Aber das hat zwei Komplikationen:

  1. Es besteht die Gefahr, dass Sie den falschen Clip löschen.
  2. Sie verlieren mit dem Löschen Ton- und Bildmaterial, das sich für Reparaturen einsetzen können.

Punkt 1 ist klar. Punkt 2 heißt: Es kann sein, dass Sie im Schnitt zum Beispiel eine Tonspur ersetzen müssen, weil ein Husten zu hören ist. Falls Sie dann noch eine misslungene Einstellung vom selben Motiv haben können Sie den Ton dieser Einstellung verwenden.

Mehr Schnittbilder anbieten

Beim Dreh sollten Sie immer ein Auge auf interessante Einstellungen haben, die nicht im Plan stehen. Klar, erst wird der Plan abgearbeitet. Aber es ist Zeichen guter Kameraarbeit, immer noch mehr Material anzubieten, das den Schnitt erleichtern könnte.

Aber Vorsicht: Nicht übertreiben. Wirklich auf interessante Einstellungen achten, sonst wird die Materialmenge unübersichtlich.

Akustische Markierungen setzen

Wenn Sie selbst aufnehmen – zum Beispiel Vlogs oder Videoaufsager für Youtube, können Sie bei Versprechern akustische Markierungen setzen. Ich ploppe immer einmal mit den Lippen. Das gibt einen erkennbaren Ausschlag in der Tonspur und ich weiß später im Schnitt, wo es weiter geht.

Akustische Markierung in Tonspur
Ein Plopp markiert den Versprecher. Danach setze ich in der Moderation neu an.

Schnitt

Hier kommen endlich die Praxistipps für den Schnitt – egal, welches Programm Sie verwenden, alle Tipps sind umsetzbar.

Alle O-Töne abhören

Das gehört zu den ödesten Arbeiten des Video-Handwerks: O-Töne durchhören und Notizen anfertigen. Transkribieren muss nicht zwingend sein. Es reichen Stichpunkte oder Kernaussagen.

Tipp: wenn Ihnen die gesparte Zeit etwas wert ist, nutzen Sie einen Transkriptions-Dienst für Untertitel im Netz und schicken Sie die O-Töne dorthin. Das kostet zwar ein paar Euro, spart aber viel Zeit.

Clips sortieren

Vor dem Schneiden ist erst einmal das Sortieren angesagt. Zumindest bei größeren Projekten lohnt eine klare Struktur: O-Töne in die eine Ablage, Schnittbilder in die andere. Bei vielen O-Tönen lohnt es, weitere Unterordner für die Personen anzulegen, ebenso hilft es, die Schnittbilder thematisch zu sortieren.

Welche Ordnerstruktur Sie verwenden, sollten Sie sich vorher überlegen. Zu einfach sollte sie nicht sein, weil Sie sonst nichts finden. Zu komplex sollte sie aber auch nicht werden, weil sie sonst auch nichts mehr finden.

Wie Sie den Content strukturieren, hängt von Ihren Vorlieben und Workflows ab. Die einen schachteln 10 Unterordner ineinander, die anderen vergeben lose Schlagwörter. Nur eines sollten Sie im Hinterkopf halten: Sobald auch andere mit dem Schnitt umgehen sollen, brauchen Sie eine einfache und leicht zu durchschauende Struktur für die Rohdaten. Im Idealfall einigen Sie sich auf eine gemeinsame Struktur, die alle Team-Mitglieder verwenden.

Ich nutze in Final Cut Pro X ausschließlich Tags, um mein Material zu sortieren. So habe ich bei Bedarf immer das gesamte Material im Blick und kann über die Tags einzelne Themen oder Sammlungen herausgreifen.

An Wellenformen orientieren

Sprechpausen in Interviews erkennen Sie wunderbar an der Audio-Wellenform. Ich habe die deshalb in allen Schnittprojekten erkennbar angelegt. Anhand der Pausen können Sie einen Clip roh zurechtschneiden. Natürlich sollten Sie ihn trotzdem anschauen.

Falls Sie wie oben beschrieben akustische Markierungen setzen, sind auch die gut erkennbar, sofern Sie die Audio-Wellenform ausreichend groß anzeigen.

Rohschnitt, dann Feinschnitt

Legen Sie Ihr Videoprojekt erst grob an, bevor es an die Kleinigkeiten geht. Denn wenn Sie sich schon in der ersten Fassung mit Details verspielen, verlieren Sie viel Zeit.

Lassen Sie es in der ersten Fassung egal sein, ob der Schnitt framegenau sitzt oder ob eine Farbe stimmt. Der Ablauf und die Geschichte müssen stimmen. Erst dann geht es an die Feinarbeit.

Farbe und Ton am Schluss korrigieren

Farbkorrektur, Grafiken und Tonkorrektur gehören an den Schluss eines Videoprojekts. Denn was nützt eine zeitaufwändig korrigierte Einstellung, die am Schluss aus inhaltlichen Gründen doch wieder rausfliegt?

Eine Ausnahme mache ich: lange O-Ton-Strecken bearbeite ich möglichst schon vor dem Schnitt, so dass Farben und Ton stimmen. Wenn ich das Material zerschneide, spare ich mir einige Kleinarbeit.

Hotkeys lernen und nutzen

Lernen Sie Ihre Hotkeys, um Zeit zu sparen. Sie müssen nicht alle Tastenkombinationen lernen, die ein Programm anbietet. Aber jeder Hotkey spart Zeit.

Markierungen nutzen

Markierungen im Schnittprojekt entfalten ihren Charme erst mit der Zeit. Folgende Anwendungszwecke gibt es:

  • Sie können eine Stelle markieren, an der Sie später ein Schnittbild einfügen möchten.
  • Je nach Programm können Sie eine Markierung mit Text versehen – das ist prima für Anmerkungen oder Todo-Listen.
  • Daten aus den Markierungen lassen sich je nach Programm zum Beispiel auch für Kapitelmarkierungen nutzen.

Daten sichern und mit Versionen arbeiten

Zu guter Letzt: Sichern Sie Ihre Daten vor dem Schnitt und speichern Sie Versionen während des Schnitts. Denn nichts ist aufwändiger, als verlorene Daten wiederherzustellen.

Zwei Festplatten zur Datensicherung in einem Dock
Datensicherung wird bei Videoprojekten oft vernachlässigt. Unbedingt Sicherungskopien des Rohmaterials anlegen!

Martin Goldmann beim Seminar VideoproduktionMartin Goldmann

Ich helfe Unternehmen mit Coachings und Seminaren, bessere Videos zu drehen und arbeite regelmäßig als Redakteur oder Kameramann für Unternehmensvideos.
Darüber hinaus betreue ich den Videokanal der Nutzwertplattform Tippscout.de und betreibe einen eigenen Youtube-Kanal rund um die Video-Produktion.

Informieren Sie sich über meine Seminare zur Videoproduktion im Unternehmen.

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